amzi focus israel Web20202

Wenn der Glaube seinen Preis hat

Von Hanspeter Obrist

Wer vergibt, statt sich zu rächen, verblüfft sein Gegenüber – und kann Wunder erleben.

„Hanspeter, ein weiterer Araber ist in meinem Garten zum Glauben an Jesus gekommen – Halleluja!“ Rachel Netanel aus Jerusalem ist am Telefon. Es sprudelt nur so aus ihr heraus. „Er war völlig frustriert über sein Leben. Jemand hatte ihn bei den Palästinensischen Behörden angezeigt, und er stand bereits mit einem Bein im Gefängnis. Ich ermutigte ihn, sein Leben in Jesu Hände zu legen: ‚Auch wenn du ins Gefängnis musst, hast du mit Jesus wenigstens Hoffnung und einen, der dich begleitet.’ So vertraute er sein Leben Jesus an.“

Mittlerweile war dieser Araber tatsächlich in einem so genannten „Untersuchungsgefängnis“, das den Ruf hat, dass dort Informationen aus Inhaftierten „herausgepresst“ werden. Gleich ging es nahezu allen anderen arabischen Männern, die bei Rachel waren und zum Glauben an Jesus kamen.

 

Schwimmen gegen den Strom

Rachel meinte weiter: „Araber haben in Israel oftmals ein negatives Image. Doch häufig haben sie mit echten Nöten zu kämpfen und hegen den Wunsch nach einer Wende in ihrem Leben. Für viele von ihnen ist Jesus die letzte Hoffnung.“

Allerdings zieht eine solche Umkehr auch unweigerlich existenzielle Fragen nach sich: Wie kann ich meine Familie weiterhin ernähren, wenn ich reinen Tisch mache und aus dem System illegaler Geschäfte aussteige? Was passiert, wenn die Machenschaften meiner Vergangenheit gegen mich verwendet werden? Was ist, wenn ich jetzt als Verräter gelte? – Diese Fragen gehen an die Substanz.

 

Ständige Gefahr eines Anschlags

Auf eine ganz andere Weise ist Familie Ortiz, eine messianisch-jüdische Familie in Ariel, herausgefordert. Vor einem Jahr erhielten sie zu Purim eine Paketbombe, durch die der 15-jährige Sohn schwere Verletzungen erlitt. Ich erinnere mich noch gut an unseren Besuch als amzi-Team bei der Familie nur wenige Wochen zuvor. David Ortiz sagte uns damals, das Härteste für ihn sei, dass oft die Kinder darunter zu leiden hätten, wenn sich ihr Umfeld gegen den Glauben der Eltern wendet. Auf unserer Homepage, www.amzi.org, finden Sie einige Filme, die diese Situation sehr gut darstellen. Seit jenem Anschlag ist allen messianischen Juden klar, dass auch sie Ziel eines Anschlags werden könnten.

 

Jesus statt Anzeige

Jesus lehrt uns, unsere Feinde zu lieben (Mt. 5,44) – eine Haltung, die nicht der Norm entspricht. Normalerweise ist man doch auf sein Recht und Wiedergutmachung aus. Wenn wir trotz Anfeindung die anderen nicht dämonisieren und uns ihnen gegenüber nicht verschließen, dann erleben unsere Mitmenschen etwas Ungewohntes: Vergebung, wie sie Gott uns anbietet, obwohl wir ihn und seine Gebote missachten oder sogar verachten.

Ein Beispiel: Als Daniel sein Leben Jeschua anvertraute, war er sich nicht bewusst, was dies bei seinen Freunden auslösen würde. Eines Tages stichelte sein bester Freund so sehr gegen ihn, bis die Situation außer Kontrolle geriet. Nach einem Kinnhaken musste Daniel mit einer gebrochenen Nase ins Krankenhaus eingeliefert werden. Doch er entschied sich dafür, seinen Freund nicht zu verklagen. Anstatt dessen eröffnete er ihm, er habe ihm vergeben. Diese ungewöhnliche Reaktion brachte den Freund völlig aus der Fassung. Einige Tage später überraschte er Daniel mit der Nachricht, auch er habe sein Leben Jeschua anvertraut!

 

Alles in Gottes Hand

Als Jesusnachfolger sind wir herausgefordert, unser ganzes Leben in die Hände Gottes zu legen und alles aus seiner Hand zu nehmen – auch Schweres. Gott verspricht, dass uns niemand aus seiner Hand reißen kann (Joh. 10,28). Die Vergeltung überlassen wir Gott (Röm. 12,19). Die Wiedergutmachung kommt aus seiner Hand. Wenn wir sie von Menschen einfordern wollen, werden wir enttäuscht.

 

 

zurück

 

Diesen Artikel drucken