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Biblische Stätten in Israel – damals und heute

Es ist erstaunlich, wie eine bekannte Stadt nach Jahrhunderten an Bedeutung verlieren kann – und umgekehrt.

 

Von Jurek Schulz

Bei unseren Nachforschungen zu Ortsnamen in Israel sind wir beim „B“ angelangt, und damit in Banyas ganz im Norden Israels und in Beerscheba im Süden.

 

Banyas

Banyas ist der Name eines Flusses, der in den Jordan mündet, wie auch des Ortes bei seiner Quelle in der nördlichen Hula-Ebene. Der Name „Banyas“ leitet sich von der griechischen Bezeichnung „Paneas“ ab, ein Hinweis darauf, dass an dieser Quelle in hellenistischer Zeit ein bedeutender, dem Hirtengott „Pan“ geweihter Tempel stand. Man geht davon aus, dass dieses Pan-Heiligtum an die Stelle einer früheren Verehrungsstätte des Baal trat.

Nicht weit entfernt liegt „Tel Kadi“, das Dan der Bibel (Ri. 18,11-31). Es war der nördlichste Punkt Israels (1. Kön. 3,20). Die ursprünglich kanaanitische Stadt wurde vom israelitischen Stamm Dan erobert. Nach der Reichsteilung stellte König Jerobeam dort eines der goldenen Kälber (1. Kön. 12,29-30) als Alternative zum Tempel in Jerusalem auf.

Nachdem die Region gegen Ende des ersten Jahrhunderts v. Chr. vom römischen Reich annektiert worden war, schenkte der römische Kaiser Augustus das Gebiet Herodes (73–4 v. Chr.), der dort den Augustustempel errichtete. Dessen Sohn Philippus (R. 4 v. – 34 n. Chr.) machte Paneas zur Hauptstadt seines Reiches und nannte sie dem römischen Kaiser und sich selbst zu Ehren „Cäsarea Philippi“.

Jesus besuchte in Cäsarea Philippi die Märkte der Stadt (Mt. 16,13; Mk. 8,27). Nach der Überlieferung spielte sich dort die Begebenheit ab, bei der Simon Jesus als den Messias bekannte und darauf Jesus seinen Jünger „Petrus“ nannte, den Felsen, auf dem er seine Gemeinde gründen wollte (Mt. 16,13-20).

Später baute sich Agrippa II (R. 53–94) dort einen prächtigen Palast, der in jüngerer Zeit entdeckt wurde. Cäsarea Philippi wurde im 4. Jahrhundert Bischofssitz, bis es im 7. Jahrhundert von den Arabern erobert wurde. Bedeutung und Größe der Stadt gingen drastisch zurück. Banyas wurde ein unbedeutendes Dorf. Bis zum Jahre 1967 blieb es arabisch, mit einer kurzen rund 60 Jahre dauernden Unterbrechung während der Kreuzfahrerzeit, in der es vorübergehend wieder christlich und von strategischer Bedeutung war.

Heute ist es vor allem der Nationalpark „Nachal Hermon“ (d.h. Hermon-Fluss), der mit seiner vielfältigen Fauna und Flora in- und ausländische Besucher anlockt.

 

Beerscheba

Beerscheba heißt übersetzt Siebenbrunnen oder auch Schwurbrunnen. Dieser Name leitet sich aus biblischen Begebenheiten ab. Gemäß 1. Mose 21,22-31 schloss Abraham in Beerscheba einen Bund mit Abimelech. Dieser garantierte ihm das Nutzungsrecht des Brunnens für seine Viehherden. Zur Bestätigung des Bundes gab Abraham ihm sieben Lämmer, daher nannte man die Stadt „Siebenbrunnen“. Später schütteten die Philister den Brunnen wieder zu, nachdem Abraham von Beerscheba weggezogen war. Sein Sohn Isaak erneuerte mit Abimelech den Bund für die Nutzungsrechte, daher „Schwurbrunnen“ (1. Mo. 26,33).

Auch Jakob war in Beerscheba: Er flüchtete von dort vor Esau und opferte später an diesem Ort vor seiner Reise zu Josef nach Ägypten (1. Mo. 28,10 ff.; 46,1 ff.). Der Prophet Elia zog ebenfalls durch diese Stadt (1. Kö. 19,3). Beerscheba war die südlichste Stadt des Landes, daher die Redewendung„von Dan bis Beerscheba“ (Ri. 20,1). Später waren die Söhne Samuels die Richter dieser Stadt (1. Sam. 8,2). Zur Zeit des Amos standen dort höchstwahrscheinlich Götzenaltäre (Am. 5,5; 8,14). Im nahen „Tel Beerscheba“ wurden die Überreste der antiken biblischen Stadt freigelegt.

Nach der arabischen Eroberung im 7. Jahrhundert verfiel die Stadt gewissermaßen in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie erst im 20. Jahrhundert wieder geweckt wurde. Im Jahr 1900 machten die Osmanen Beerscheba zum Verwaltungszentrum über die Beduinen in der Negevwüste. Der Ort wurde strategisch bedeutsam auf dem Weg zum Suezkanal. 1917 wurde die Stadt von den Briten unter General Allenby erobert. Die ansässige jüdische Bevölkerung verließ Beerscheba bei arabischen Unruhen 1929. Erst nach der Staatsgründung Israels 1948 siedelten sich wieder Juden in der Stadt an. Nun wuchs ihre Bedeutung als Hauptstadt der Negevwüste.

Des Weiteren ist Beerscheba als „Schachspielerstadt“ bekannt. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl leben dort die meisten Schachgroßmeister weltweit. 2005 wurde in der Negev-Stadt die Schach-Mannschaftsweltmeisterschaft ausgetragen.

 

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