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Beth Netanel

Beth Netanel hat die Vision, eingeborene Israelis in ihrer eigenen Sprache (Hebräisch) und Kultur mit der Botschaft der Bibel zu erreichen. Beth Netanel möchte diese Gute Nachricht mit interessierten Juden und Arabern teilen, und sie zusammen bringen.

Weil Rachel Netanel in Israel geboren wurde und aus einer religiösen Familie stammt, versteht sie es, den Israelis – Juden und Arabern – die Bibel in ihrem kulturellen Kontext weiterzugeben. Praktisch bedeutet das, Gastfreundschaft zu pflegen und in familiärer Atmosphäre zusammen zu essen und zu studieren.

Bei Rachel Netanel treffen sich wöchentlich verschiedene Gruppen. Neben der Schabbatfeier gibt es die Bibelstudiengruppe am Sonntag. Kleinere Treffen und persönliche Gespräche finden unter der Woche statt. Üblicherweise gibt es bei diesen Treffen es etwas Kleines zu essen, Musik, Lobpreis, Bibelstudium, Gemeinschaft und Gebet.

 

Bestellen Sie regelmässige Gebetsinformationen unter info@rachelnetanel.net                                               zurück zur Übersicht

 

Glaubenszeugnis von Rachel Netanel und andere Videos http://www.rachelnetanel.net/html/dt_.html

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Rachel Netanel

 

Artikel Ma’ariv Freitag, 14. August 2009

 

Die ganze Geschichte Jerusalems vor dem Haus einer Frau

[Übersetzung des Artikels in der Ma’ariv Zeitung 14. August 2009 – Der Artikel ist geschrieben von einem säkularen Journalisten].

 

Eines Tages entdeckt die Jesus-Gläubige Rachel muslimische Gräber auf dem Gelände vor ihrem Haus. Seither wütet dort ein andauernder Krieg zwischen Christen, Muslimen, Juden und messianischen Juden.

 

Ein langer Konvoi von schwer beladenen Lastwagen, einem kleinen Traktor, mehreren Kleintransportern und Autos störten den Frieden des kleinen Dorfes En Karem am Schabbatmorgen vor zwei Wochen. Am Eingang des Dorfes, gegenüber dem libanesischen Restaurant, welches seine Tore noch nicht geöffnet hatte, luden Dutzende von Männern die Geräte vor den erstaunten Augen einiger Frühaufsteher ab. Von großem Lärm begleitet, häuften sie Steine und Sandsäcke aufeinander, grenzten einen Sektor ab, sperrten den Zugang zu den Überresten einer Mauer ab, welche ein paar Monate zuvor durch Rachel Netanel [im hebräischen Artikel steht Rachels Mädchenname Sivoni] abgerissen worden war, da sie sich einen Durchgangsweg von ihrem nahe gelegenen Haus zum Gehsteig und zur Straße ermöglichen wollte.

 

Die ungebetenen Gäste, die meisten wenn nicht alle davon Muslime mit Bärten und mit großen Mützen, begleitet von einer großen Gruppe von Frauen, von grünen Fahnen der Islamischen Bewegung und von Symbolen der Hamas, erlaubten es niemandem, sie bei ihrer Arbeit zu stören. Ein Einwohner En Karems, ein friedfertiger Mann, der versuchte, gegen das Geschehnis zu protestieren, wurde auf die Straße weggewiesen. Auch das Rufen von Netanel selber wurde von dem Lärm des Presslufthammers verschluckt.

 

Die Arbeiter fuhren mit ihrer Arbeit fort, als wäre nichts geschehen, vor den laufenden Videokameras ihrer Freunde, die jede Sekunde genau dokumentierten. Polizisten, die herbeigerufen wurden, warfen einen Blick darauf, notierten sich etwas und beeilten sich, wieder wegzugehen. In der Stadtverwaltung Jerusalems wird am Schabbat nicht gearbeitet, die Inspektoren kamen nicht.

 

Netanel eilte nach draußen und stellte sich auf der Treppe hin, um das kunstvolle Eisentor zu beschützen. Vor drei Jahren entschied sie sich, Zehntausende Schekel ihres Geldes zu investieren, um das verwahrloste öffentliche Gelände vor dem Hauseingang zu säubern und es in einen schönen Park zu verwandeln. Zwei alte muslimische Gräber, die am Ort freigelegt wurden, verwandelten ihre private Initiative in einen andauernden Albtraum.

 

„Sie sagten, dass sie auch mich begraben würden“

Dies ist ein seit vielen Monaten währender Krieg zwischen religiösen und politischen Welten, der vor ihrem Garten ausgetragen wird. Die Muslime wollen nicht, dass sie das Gelände betritt und überquert, um zu ihrem Haus zu gelangen, deshalb haben sie das ganze Gelände vor dem Eingang abgesperrt. Netanel hat keine Wahl. „Ich schlafe nachts nicht“, erzählt sie. „Mir kommen schreckliche Bilder in den Sinn. Die ganze muslimische Waqf war hier, der ganze Tempelberg [die Waqf verwaltet muslimisches Eigentum in Israel]. Sie sagten, dass sie auch mich begraben würden. Grauenerregend!“

 

Die letzte Runde zwischen den zwei Parteien am Schabbat vor zwei Wochen verlief verhältnismäßig ruhig. Die Arbeiter ließen ihr Baumaterial, die Marmortafeln und das Werkzeug am Ort zurück, um bei der nächsten Gelegenheit mit ihrer Arbeit fortzufahren. Offenbar morgen. Die vorhergehenden Konfrontationen waren heftiger. Einmal fingen die Arbeiter an, unter der Treppe zu graben, die zum Haus hinaufführt. Netanel legte sich ihnen in den Weg und weigerte sich, sich von der Stelle zu rühren.

 

Ein anderes Mal, so erzählt sie, drohten ihr die Frauen, sie solle es nicht wagen, ihr Haus zu verlassen, weil sie nicht lebend zurückkommen würde. Sie zerbrachen sogar große Tonkrüge, die sie dort hingestellt hatte. Inzwischen haben die Gerichte begonnen, die gegenseitigen Forderungen, die von beiden Seiten eingereicht wurden, zu verhandeln. Bis jetzt ohne Ergebnis.

 

Die Nachbarn von Netanel schauen mit einem seltsamen Seelenfrieden auf den Tumult. Sogar mit Schadenfreude. Netanel ist überzeugt, dass sie es sind, die die Muslime herbeigerufen haben, um ihr das Leben schwer zu machen, bis sie die Gegend verlassen würde. Netanel ist messianische Jüdin und gehört einer großen Gemeinde von Jesus-Gläubigen an. Ihr herrliches Haus wurde zu einem Zentrum des Gebets und der Verkündigung. In den Augen von einigen konservativen religiösen Einwohnern in En Karem gilt sie als besonders verhasste „Seelendiebin“.

 

Sie findet keine Ruhe

Die Leute der Waqf ahnten hier eine goldene Gelegenheit, tiefer in den Westen der Stadt vorzudringen und über ein Gebiet zu regieren, welches sich mitten in einem jüdischen Quartier befindet. Jetzt empfehlen sie Netanel, ihnen ihr Haus zu verkaufen, denn: „Sie können es ja sowieso nicht betreten“, wie sie ihr sagten. „Wir werden die Renovation beenden und eine Mauer und ein Eisengeländer bauen. Wir haben ein großes Budget“, versichert Abu Leil Muhammed, Sekretär des Rates für muslimische Friedhöfe der Waqf.

 

„Wenn wir mit allem fertig sind, werden wir hier ein Schild anbringen: ‚Friedhof, bitte nicht betreten!’. Die Nachbarin wird hier nicht vorübergehen können. Jedem ist es verboten, über einen Friedhof zu gehen.“ Muhammed bestreitet, dass die Waqf-Leute Gewalt angewendet oder Drohungen gegen Netanel ausgesprochen hätten.

Netanel findet keine Ruhe für ihre Fußsohlen. „Nachdem sie mir den Eingang zum Haus versperrt hatten, musste ich über den Zaun der Nachbarin klettern, um hinein zu springen“, erzählt sie.

 

„Ich bat sie um Erlaubnis, bei ihr durchgehen zu dürfen. Sie sagte: ‚Igittigitt! Stirb! Hau ab von hier! Du bist Abfall! Du bist eine Missionarin!’, und danach spuckte sie auf den Boden und rannte hinter mir her mit einem Brett. Ich sagte ihr: ‚Okay, behandeln Sie mich nicht wie eine Jüdin, aber betrachten Sie mich wenigstens wie einen Hund, der von einem Ort zum andern gehen muss.’ Ich erklärte ihr, dass Jerusalem wegen grundlosem Hass zerstört wurde. Nichts half.“

 

Können Sie die Nachbarn verstehen, die sich vor Ihnen fürchten?

„Natürlich. Das sind religiöse Menschen und in ihren Augen bin ich jemand, die vom Judentum abgefallen ist. Jeden Morgen, Mittag und Abend beten sie das Gebet Schmoneh Esrei [Achtzehnbittengebet, auch Amidah genannt] und dort steht geschrieben: ‚Möge es für die Ketzer und Verräter keine Hoffnung geben und mögen die Ruchlosen im Augenblick verloren gehen.’ Ich glaube, dass mir die Augen aufgetan wurden und ich eine andere Welt erkannt habe, und sie noch nicht.“

 

Für Netanel, 58, erscheint alles wie eine Fügung des Schicksals. Ihr fesselndes Leben sorgte für noch schlimmere Überlebenskämpfe und Stürme bis zur Grenze des Vorstellbaren. Sie kam als Kind von armen Schluckern in Talpiot zur Welt. Ihr Vater Schlomo war Maler und fand nicht immer Arbeit. Die Mutter Fibi war Hausfrau. Das Paar hatte vier Kinder, zusätzlich zu den zwei Kindern, die Fibi aus erster Ehe hatte. Die Arbeitslosigkeit führte die Familie nach Jaffo. Dort hoffte der Vater, mehr geregelte Arbeit zu finden, aber nichts änderte sich. Netanel hörte auf, zur Schule zu gehen. Mit neun Jahren zog sie aus, um in der Crembo-Fabrik neben dem Bloomfield-Stadion zu arbeiten, um zum Unterhalt der Familie beizutragen.

 

Der richtigste Fehler

Mit 16½ heiratete sie einen etablierten Mann. Das Paar zog nach Jerusalem um und wohnte im Allenby Camp. „Ich wollte nur von zu Hause weg und ergriff die Gelegenheit. Wir waren zu Hause eine marokkanische Familie, es herrschte viel Druck. Ich wollte da nur raus“, erzählt sie. Mit 17 wurde sie schon Mutter. Vier Jahre später kam ihr zweiter Sohn zur Welt. Gleich danach ließ sie sich scheiden. Sie hat einige Horrorgeschichten zu erzählen, die das Leben und die Beziehungen zwischen den zwei kinderreichen Familien betreffen, ihre eigene und die ihres Mannes. Es ist wünschenswert, sie dem Leser zu ersparen. Auch über das Leben eines ihrer Brüder ließe sich eine tränenreiche Geschichte schreiben. Wegen der besonderen Umstände fordern heute die meisten ihrer Familienangehörigen, die Anonymität zu bewahren. Sie wollen keinen Ärger.

Netanel versuchte, sich und ihre zwei Kinder mit Reinigungsarbeiten über Wasser zu halten. Eine Freundin empfahl ihr, bei der Polizei zu arbeiten. Sie wurde dort akzeptiert, nachdem es ihr gelungen war, die Angestellten im Hauptquartier bei ihrem Bewerbungsgespräch bezüglich der Anzahl ihrer Schuljahre zu beschwindeln.

 

Zehn Jahre arbeitete sie dort. Inzwischen wurde sie auch aus ihrem Zuhause im Allenby Camp ausgewiesen. „Ich beschloss, eine eigene Wohnung zu kaufen, komme, was wolle“, erzählt sie. „Ich nahm zwei Koffer, fuhr zu einer Fabrik in Jaffo, füllte dort die Koffer mit Bettwäsche, die ich dann von Tür zu Tür zu verkaufen versuchte. Ich ging auch zu den Arbeitsämtern. Am Flughafen gaben sie mir einen Unterstand, und ich eröffnete so etwas wie einen Fabrikladen. Der Besitzer „verlor den Verstand“ und schenkte mir einen Volkswagen. Ich nahm das Geld dafür, bekam eine Hypothek und kaufte ein Haus in Ma’ale Adumim.“

 

Der Kampf ums Überleben hörte damit jedoch nicht auf. Er verschärfte sich nur. Als sie an einem bestimmten Punkt angelangt war, beschloss sie, ihre Kinder in einen Kibbuz im Süden zu schicken. „Ich wollte nicht, dass sie mein ganzes Leiden miterleben mussten“, erzählt sie. „Man sagte mir, dass ich einen Fehler mache, doch dies war der richtigste Fehler, den ich in meinem Leben begangen habe. Ich rettete meine Kinder damit vor dem Verderben!“

 

Entschädigung für all die Jahre der Entbehrung

Netanel beschloss, ihr Glück in Italien zu versuchen. Sie reiste zu ihrem Bruder, der in Mailand Medizin studierte, und die zwei beschlossen, dort ein israelisches Restaurant zu eröffnen. Der Erfolg war sehr groß. Endlich sah sie Geld. „Ich nahm meine zwei Kinder und reiste mit ihnen mit Hilfe der Einkünfte aus dem Restaurant durch ganz Europa. Dies war eine Entschädigung für all die Jahre der Entbehrung, die sie erlebten.“ Gleichzeitig lernte Netanel in Mailand Modedesign.

 

Als sie nach Israel zurückkehrte, begann sie, Kleider für Fernsehsprecherinnen des Arutz 1 [1. Sender] zu entwerfen. „Daliah Masor, Ge’ulah Even und Scharon Wechsler [alles bekannte Fernsehsprecherinnen] trugen Kleider, die ich schneiderte“, meint sie stolz.

Die größte Veränderung in ihrem Leben kam 1994. Netanel arbeitete damals in einem Teppichgeschäft im Jerusalemer Einkaufszentrum Malcha. „Unerwartet kam jemand in den Laden, offenbar wie ich ein orientalischer Jude, der einen Teppich für ‚das Haus Gottes’ kaufen wollte. Ich sagte zu ihm: ‚Welchen Gott haben Sie, wenn Sie nicht einmal eine Kippa tragen?’

Er sagte mir, dass Gott ihn von der Kippa befreit habe, und er begann, mir von Jesus zu erzählen. Ich sagte: ‚Oh nein! Sein Name und Gedenken möge für immer ausgelöscht sein! [Statt „Jeschua“ wird unter Juden oft für Jesus „Jeschu“ gebraucht. Gemäß jüdischer Tradition soll dies ein Kürzel dieses Fluches sein. U.a. verwendete der Autor im hebräischen Text Jeschu statt Jeschua, obwohl Rachel immer Jeschua gebraucht] Vergessen Sie nicht, dass ich mütterlicherseits die Urenkelin von Rabbi Ja’akov Chaim Elkavatz bin, von dem man sagt, er hätte den Siddur [jüd. Gebetsbuch] geschrieben.’ Ich konnte diese ketzerischen Worte nicht hören. Er sagte mir: ‚Es tut mir leid, aber dies sind Prophetien im Tenach.’

 

Nach einiger Zeit trafen wir uns“, fährt Netanel mit Begeisterung fort. „Er lud mich zu einer Kabbalat Schabbat [Schabbatfeier] in Mozza ein. Ich war schockiert, er trug eine Kippa, der Tisch war für den Schabbat gedeckt mit Kerzen und Wein, und er segnete das Brot. Es fühlte sich an wie in unserem Gebetshaus in Talpiot. Ich ging nach Hause und begann die Geschichten im Tenach zu lesen. Ich wollte noch immer nichts über Jesus Christus hören. Ich fand ihn nicht in diesen Geschichten, sondern nur in verschiedenen Prophetien. Ich beschloss, zu sehen, was in der Szene so abläuft.“

 

„Man dachte, ich wäre zum Christentum übergetreten“

Das erste Mal in ihrem Leben spürte Netanel eine warme Umarmung. „Ich kam zum Zentrum der messianischen Juden in der Fußgängerzone Ben Jehuda. Ich begann zu weinen. Ich empfing dort Liebe ohne Bedingungen. Unterstützung ohne Anspruch auf Gegenleistung. Ich mochte die Leute dort. An Purim 1994 hatte ich Geburtstag. Es kamen Freunde vom Fernsehen und auch von der Polizei. Sie organisierten eine Party für mich. Gleichzeitig riefen meine neuen Freunde an und luden mich zu einer Purimparty ins Beth Jedidja in Haifa ein. Ich ließ die Leute in Jerusalem zurück, die meinen Geburtstag ohne mich feierten.“

 

„Dort erhielt ich alles was mir im Leben gefehlt hatte“, bekennt Netanel und richtet ihre Augen nach oben. „Ich fand dort weder Hass noch Neid. Dort lassen sie niemanden alleine. Ich beschloss, alles zu verlassen und an der messianischen Bibelschule zu studieren.“

 

Hatten Sie nicht das Gefühl, dass diese Leute Ihre Schwierigkeiten, Ihre Einsamkeit und Schwäche ausnutzten?

„Nein, das ist nicht so. Ich hatte schon vorher geistliches Leben gesucht und hatte nichts gefunden. Ich war in Workshops. Ich suchte einen Sinn. Jesus gab mir Liebe und Gnade.“

 

Haben Sie sich taufen lassen?

„Ja, in einer Quelle in Sataf. In unseren Augen ist das eine Taufe in der Mikwe [rituelles jüdisches Tauchbad]. Wir sind Juden.“

 

Wie hat Ihre Familie diese Veränderungen akzeptiert?

„Sie akzeptierten sie nicht, und sie akzeptierten mich nicht. Es war schwierig. Sie glaubten ich wäre zum Christentum übergetreten. Mein Sohn sagte mir: ‚Wenn du mit Gott gehen willst, dann werde doch religiöse Jüdin.’ Ich erklärte ihnen, dass ich mich nach den Prophetien im Tenach richte. Im Laufe der Zeit sahen sie, dass ich am Schabbat betete, und dass ich Pessach feierte. Sie waren erstaunt. Das hat sie erweicht. Ich besuche keine Kirchen und Klöster. Ich gehöre dem frühen Judentum von Jesus an.

Heute sitzen wir zusammen um den Esstisch, ich danke unserem Vater im Himmel und sie antworten ‚Amen’.“

 

Eine wandelnde Zielscheibe

Während der Zeit, in der sie sich entschied, ihren Glauben zu ändern, unternahm Netanel einen überraschenden familiären Schritt. D., ihr Ex-Mann hatte sich inzwischen von seiner zweiten Frau getrennt. Einer ihrer zwei Söhne beschloss, die Eltern wieder zusammenzubringen. Netanel lehnte ab, doch der Sohn bestand darauf, dass „Jesus vergab, also musst auch du vergeben“. So heirateten die zwei erneut und D. wurde ein Mitglied der messianischen Gemeinde. 1½ Jahre später scheiterte das Unterfangen erneut „hauptsächlich wegen dem Druck, den die marokkanische Familie meines Mannes ausübte“, gemäß Netanel.

 

D. ist inzwischen ultraorthodox geworden und lebt in einer der fanatischen Siedlungen in Judäa und Samarien. Netanel kam zur Bibelschule in der Prophetenstraße und wurde gebeten, die Studiengebühren zu bezahlen. Wie üblich hatte sie keinen Schekel in der Tasche. „Ich schlug Asher, dem Schulleiter vor, dass ich die Gebäude reinigen oder Studenten rekrutieren würde. Er glaubte nicht daran. Ich ging zur Fußgängerzone und redete mit einer Eisverkäuferin. Ich schlug ihr vor, ihr Leben zu verändern. Ich sagte ihr, komm, und sie kam. Unterwegs sahen wir jemanden, der lächelte. Ich redete mit ihm und nahm auch ihn mit. Ich brachte sieben Leute in die Bibelschule. Asher, der Schulleiter, war verblüfft und eröffnete für sie eine Klasse.“

 

In dieser Zeit wurde Rachel zu einer der Leiterinnen in ihrer neuen messianischen Gemeinde, aber auch zu einer wandelnden Zielscheibe für orthodoxe und andere Organisationen, allen voran für die Organisation „Yad leAchim“ [eine ultraorthodoxe Antimissionsbewegung]. Diese sahen in ihr eine gefährliche Missionarin und hörten nicht auf, sie zu verfolgen. Die erste Station war das Jesus-Zentrum, welches sie in der Bethlehemstraße unter dem Namen „Erlösung Israels“ eröffnete. „Es war wunderbar zu sehen, wie Israelis, die noch nie von dem historisch-jüdischen Jesus gehört hatten, zu uns kamen, um Schabbat zu feiern“, erzählt sie.

 

Auch die Orthodoxen kamen bald in das neue Zentrum, hängten Poster auf und verfluchten die Mitarbeiter. Sie kamen auch bei ihr Zuhause in Armon HaNatziv vorbei. „Sie stellten riesige Blumentöpfe vor den Eingang, damit ich das Haus nicht mehr verlassen konnte“, beklagt sie sich. „Schon damals lernte ich, über Hindernisse zu springen. Unserem Pastor schraubten sie alle vier Räder seines Autos ab. Sie kamen überall hin. Als ich ein Haus in Jemin Mosche mietete, redeten sie mit dem Besitzer, bis ich von dort vertrieben wurde. Ich zog in ein Haus in En Karem, bis sie mich auch von dort vertrieben. Sie behaupteten, dass ich missionarische Arbeit betreibe.“

 

Haben sie Recht?

„Es stimmt. Ich evangelisiere. Ich verkünde das Judentum Jeschuas. Wir gehören nicht zu einer nichtjüdischen Religion, versteht das! Wir sind Juden, die an den Tenach glauben und an die 438 Prophetien im Tenach, die lediglich untermauern, dass Jeschua der Messias ist. Wir feiern nicht Silvester und nicht Weihnachten. Unser Ruhetag ist der Schabbat und nicht der Sonntag. Jeschua feierte die jüdischen Feste gemäß dem 3. Buch Mose Kapitel 23.“

 

Jeschua war ein Rabbi

Netanel ist sehr offen und empfänglich für alles. Sie ist immer in Bewegung, ruht nie aus, springt im Haus von einem Stockwerk ins andere, spricht sehr schnell mit heiserer Stimme und flicht in jeden Satz einen Vers aus den Schriften ein. Wir sitzen auf dem Balkon im ersten Stock um einen runden Mosaiktisch, unter einem riesigen Mandelbaum, der die Pergola bedeckt.

 

Der Anblick des Gartens in ihrem Haus ist aus jedem Blickwinkel gesehen eindrücklich und schön: Zitronen-, Oliven-, Feigen- und Granatäpfelbäume und ein Weinstock, der um ein kleines Wasserbecken in der Mitte des Gartens wächst. Im Garten befindet sich auch ein großer Ofen, um Brot zu backen. Jeweils donnerstagabends finden nächtliche Führungen durch En Karem statt. Das Haus von Netanel ist dabei eine zentrale Attraktion ohne Verbindung zu dem Kampf um den Friedhof, der dem Ort höchstens einen weiteren geschichtlichen Aspekt verleiht.

 

Die Geschichte des Hauses ist eindrücklich, genauso wie die Geschichte der Besitzerin. Netanel entdeckte den Ort vor drei Jahren: ein Wohnzimmer im Obergeschoss, welches mit einer Küche verbunden war. Der verwahrloste Zustand des Hauses versprach eine besonders niedrige Miete. Als sie den Lagerraum im Erdgeschoss anschaute, entdeckte sie darin Deckenbogen.

 

Sie schlug dem Besitzer vor, das Haus auf eigene Kosten zu renovieren, zu Bedingungen, zu denen er sie nicht wegschicken konnte. Er war einverstanden. Während Monaten grub Netanel mit ihren eigenen Händen das Haus von Grund auf aus und langsam offenbarte sich ihr ein atemberaubender Anblick: zwei alte Räume aus dem 13. Jahrhundert, in denen offensichtlich Kreuzritter gewohnt hatten, die sich in dem Dorf angesiedelt hatten.

 

Netanel renovierte die zwei Räume im Erdgeschoss, verlegte einen Marmorboden und stellte kleine Sofas hinein. Alte Relikte aus den Tagen der Erbauer, kleine Fenster und winzige Eisenräder sind immer noch dort. Sie nennt den Ort „die Höhle“ und hält dort jeden Sonntag Bibelstunden ab. „Der Ort erinnert mich an die Zeit von Jeschua. Was wir hier tun, ist das, was Jeschua mit seinen Jüngern getan hat in jener jüdischen Epoche. Jeschua war ein Rabbi. Er las die jüdische Wochenlesung. Er ließ sich beschneiden.

 

Sie verheimlicht das Evangelisieren nicht

Während sie dort arbeitete, entschloss sich Netanel, das Haus zu erwerben. Sie machte dem Besitzer ein Angebot, das er nicht ablehnen konnte. Das Geld überwies ihr eine christliche, Israel-freundliche Organisation mit dem Namen AMZI, mit Sitz in der Schweiz. Die Ziele dieser Organisation sind gemäß ihrer Homepage „unseren Brüdern und Schwestern im Nahen Osten mit Gebet und finanzieller Unterstützung zu dienen“. In diesem Sinn finanziert die Organisation auch alle religiösen Aktivitäten von Netanel und ihre verschiedenen Gerichtsverfahren, deren Kosten sich bis jetzt auf Hunderttausende von Schekel belaufen.

 

Das Haus von Netanel ist immer voll von Besuchern, die ohne Vorwarnung kommen. Zur Zeit des Interviews hielt sich ihr älterer Sohn dort auf, von Beruf ein alternativer Arzt, der in der Arava wohnt. Auch kam ein messianisches Paar vorbei: Er ist Israeli, der sich viele Jahre in Japan aufhielt und sich mit Kampfsportarten beschäftigte bis er am Toten Meer seine geistliche Führerin fand, und zusammen wurden sie von der Liebe Jesu weggetragen. Auch Pninah Ein-Mur, eine Reiseführerin von En Karem, kam vorbei. Sie lernte Netanel vor zwei Monaten kennen und hört nicht auf, sie zu bewundern. „Sie können Ihre Schwierigkeiten bejammern und zu einem Opfer werden. Rachel nimmt die Schwierigkeiten und macht daraus eine außergewöhnliche Stärke“, sagte sie.

 

Dieses Interview erweckt bei den engen Freunden große Bedenken. Im Gegensatz zu vielen messianischen Juden, die ihre Aktivitäten verstecken, verheimlicht Netanel ihr Evangelisieren nicht. Dies scheint ihren Freunden zu gefährlich und fordert ihrer Ansicht nach nur noch mehr Opposition heraus. Die Leute in den Gemeinden in Ariel, Arad und Beer Sheva haben in den letzten Jahren viel unter Terror und brutaler Gewalt gelitten.

 

Es gibt auch solche, die die Kluft zwischen Netanel und den Muslimen vergrößern wollen. In einem der Internetforen erscheinen Bilder des Ortes, die dort anonym platziert wurden. „Schändung eines Friedhofs durch Messianische Juden“, steht da. „Seht, was für eine Zerstörung sie anrichten! Es sind messianische Juden, die Grabsteine und Knochen ausgruben und wegwarfen.“

 

Mit Hilfe des Konflikts

Auf dem Stück Land in En Karem wird ein großer Krieg ausgetragen zwischen Christen, Muslimen, Juden und messianischen Juden, und er hat erst begonnen. Keiner kann da nachgeben. Gestern Mittag hätten die Leute von der Waqf kommen sollen, um das Gelände für die Arbeiten am Schabbat vorzubereiten. „Wir sind an jedem solchen Ort aktiv. Wir haben in der Waqf ein neues Gremium, das alles beobachtet, was geschieht, sagt Abu Lil Muhammed. „Wir haben noch einen anderen heiligen Ort in der Stadt, an dem wir arbeiten, der Friedhof neben der Altstadtmauer. Wenn jemand zu einem Haus neben dem Friedhof gelangen will, wird ihm eine Alternative geboten. Nur den Friedhof zu betreten, das ist verboten.“

 

Die Alternative, die die Waqf vorschlägt, ist eine Brücke, die über die Straße in ihr Haus führt. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass die rechtslastige Stadtverwaltung von Nir Barkat für diesen Plan eine Baubewilligung gibt, ist klein.

Inzwischen versucht jede Seite, von der Situation zu profitieren. Die muslimische Waqf auf dem Tempelberg annektiert durch die Partnerschaft mit den Anführern der islamischen Bewegung Gebiete, ohne dass jemand interveniert und beweist seinen Gläubigen so Aktivität.

 

Netanel verbreitet mit Hilfe des Konflikts Jeschuas Lehre. „Leute kommen hier unten vorbei. Sie fragen mich: ‚Wieso ist Ihr Haus zugesperrt? Was haben sie Ihnen hier getan?’ Ich lade sie ein, hereinzukommen, und so lernen sie etwas über den Messias.“

 

Eine komplizierte Geschichte. Am Montag stand Netanel auf dem Dach im zweiten Stock ihres Hauses, von wo aus man die wunderschöne Landschaft und die Kirchen in En Karem überblicken kann, breitete ihre Arme aus und dankte Gott für all den Ärger. „Jeschua hat gesagt: ‚Am Ende der Tage werden sie euch verfolgen’. Ich wurde mein ganzes Leben lang verfolgt. Heute weiß ich, dass ich in einem sicheren Haus wohne. Dies ist Gottes Haus. Man kommt durch den Friedhof, über den Weg des Todes, um zum Leben zu gelangen. Ich folge Gott nach. Auch wenn meine Familie mich verlassen sollte, auch wenn ich nichts mehr zu essen hätte, und auch wenn die Muslime es schaffen, mein Haus zuzusperren. Wer glaubt – gewinnt.“