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Musalaha-Versöhnungsarbeit

 

Versöhnung

Jesus Christus machte durch seinen Tod die Versöhnung der Menschen mit Gott möglich, aber auch die Versöhnung der Menschen untereinander. Gott nahm in Jesus Christus weg, was Rassen und Kulturen voneinander trennt, vgl. Eph. 2. Der Tod Jesu hat heute noch die gleiche Bedeutung wie vor bald 2000 Jahren, auch in dem Land, in dem Jesus Christus geboren, gestorben und auferstanden ist.

Um diese Botschaft bekannt zumachen, schlossen sich auf Initiative von Salim Munayer arabische und jüdische Gemeindeleiter in dem Verein "Musalaha" zusammen. Das arabische Wort "Musalaha" bedeutet Vergebung und Versöhnung. Musalaha will als Verein die Versöhnung zwischen Arabern und Juden in Israel fördern. Denn auf Grund der biblischen Aussagen ist der Sühnetod Jesu am Kreuz und seine Auferstehung die einzige Grundlage für ein friedliches Zusammenleben von Arabern und Juden.

Der Verein sieht seinen Auftrag darin, den Dienst der Versöhnung in Israel zu vertreten und konkret werden zu lassen.

Die Mithilfe arabisch-christlicher und jüdisch-messianischer Leiter erleichtert die praktische Durchführung, denn sie bringen ihre Erfahrungen in den Dienst von "Musalaha" ein und stellen sich zur Mitarbeit zur Verfügung.

 

 

Aktivitäten

 

Seminare:
Biblische Lehre über Versöhnung anhand von Beispielen, wie z.B. Jakob und Esau, Paulus und Barnabas; Versöhnung im Verlauf der Kirchengeschichte. Hauptziel der Seminare ist, das Gebot unseres Herrn in den Gemeinden zu lehren: "Liebet eure Feinde!"
Leiter arabisch-christlicher und jüdisch-messianischer Gemeinden werden ausgebildet, die Seminare in den verschiedenen arabischen und messianischen Gemeinden im ganzen Land durchzuführen.

 

Publikationen:
Alles gedruckte Material wird zweisprachig herausgegeben: (arabisch und hebräisch). Dies gilt auch für alle Lehrunterlagen und Berichte über erlebte Versöhnung.

 

Unterricht über Kulturunterschiede:
Musalaha ist bemüht, Verständnis zwischen den beiden in Israel vorherrschenden Bevölkerungsgruppen zu wecken. Es werden Veranstaltungen anberaumt, um arabischen Palästinensern und israelischen Juden das Kennenlernen der jeweils anderen Kultur und der Traditionen zu ermöglichen und Erfahrungen auszutauschen.

Beide Gesichtspunkte, Gemeinsamkeiten und Schranken, sind in den Beziehungen zwischen Arabern und Juden vorhanden. Musalaha will die biblische Haltung vermitteln, die sowohl von arabischen wie auch von jüdischen Gläubigen erfordert wird, wenn es um die Bereinigung von feindseligem Verhalten geht.

Gegenseitiges Verständnis und Gemeinschaft untereinander sind nur in Jesus Christus möglich. Christus allein ist der Versöhner zwischen Mensch und Gott und zwischen den Menschen untereinander.

 

 

Informationen

 

Viermal jährlich erscheint ein Rundbrief in deutscher Sprache. Bestellen Sie ihn bei der amzi!

Auch eine Powerpoint-Präsentation über die Arbeit von Musalaha ist bei der amzi erhältlich.

 

 

Unterstützung

 

Konto Schweiz:
Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel
"Musalaha", Postfinance, 40-33695-4

 

Konto Deutschland:
Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel
"Musalaha", Sparkasse Lörrach-Rheinfelden
Kto. 1-716.737 (BLZ 683 500 48)

IBAN: DE 19 6835 0048 0001 7167 37, BIC: SKLODE66

 

Zur Homepage von Musalaha in Englisch.                                                                                                                 zurück zur Übersicht

 

Musalaha

P.O. Box 52110, IL-91521 Jerusalem
Tel. 00972 2 672 0376
E-Mail:musalaha@netvision.net.il
Internet: www.musalaha.org

Salim Munayer

http://www.youtube.com/watch?v=Cls9QOzKoF0

 

Louise

http://www.youtube.com/watch?v=GYD5qxoNKyY

 

 

Josef

http://www.youtube.com/watch?v=IDA5qKJ5z8c

 

 

 

Wessen heilige Stätten?

Von einem Musalaha-Mitarbeiter

Ende Mai versammelte sich eine Gruppe von 25 jungen Israelis, Palästinensern und einigen internationalen Volontären zu einem Seminartag für junge Erwachsene.

Gastreferent war der israelische Professor Hillel Cohen, der über die jüdische Geschichte und die Beziehung zu Muslimen sowie über den Tempelberg sprechen sollte. Wir begannen mit ein paar Gruppenspielen und Gesprächsrunden über heilige Stätten und ihre Bedeutung für uns. Ein Teilnehmer stellte die Frage: „Gehören uns die heiligen Stätten, oder gehören wir zu ihnen?“ Nach einigen Wortmeldungen kristallisierte sich die These heraus: „Idealerweise gehören wir zu den heiligen Stätten, doch in der Realität nimmt eine Seite einen Ort für sich in Anspruch, was andere dazu veranlasst, diesen auch für sich zu beanspruchen.“ Es war interessant, die unterschiedlichen Reaktionen zu hören. Viele Palästinenser betonten ihre geistliche und historische Verbundenheit mit heiligen Stätten, während eine Minderheit feststellte, sie fühle sich an diesen Orten zwar Gott nahe, doch als gläubige Christen sollten wir uns eigentlich bewusst sein, dass die Nähe Gottes nicht an Gegenständliches gebunden ist. Auch unter den Israelis gab es unterschiedliche Ansichten. Manche betonten ihre geistliche und geschichtliche Verbundenheit mit heiligen Stätten, während andere die historische und kulturelle Bedeutung der Orte an sich wichtiger fanden. Die Angehörigen anderer Nationen erklärten ihre eigene Perspektive. Sie waren sich keiner heiligen Stätten in ihren Heimatländern bewusst, mit denen sie sich historisch verbunden fühlten, erkannten jedoch die Bedeutung der historischen Stätten im Heiligen Land an.

 

Umstrittener Tempelberg

Hillel Cohen begann seinen Vortrag, indem er die Heiligkeit des Tempelbergs im Judentum, Christentum und Islam darlegte. Er sprach über die schwierige Beziehung zwischen Juden und Römern sowie über die theologischen Differenzen, die entstanden, als das Römische Reich im 4. Jahrhundert das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Unter christlicher Herrschaft war es den Juden nicht erlaubt, den Tempelberg zu besuchen. Als das Gebiet vom Islam erobert wurde, hielten die Juden dies für ein göttliches Zeichen, da sie nun nach Jerusalem zurückkehren durften. Zu diesem Zeitpunkt der Geschichte waren sich Judentum und Islam am nächsten; das Christentum war ihr gemeinsamer Feind. Die größten Kriege führte der Islam gegen das Byzantinische Reich und gegen die Kreuzritter. Die Juden verfügten zu dieser Zeit über keine militärische Streitmacht. Als die Kreuzritter ins Heilige Land strömten, kamen Juden wie Muslime durch ihre Hand um.

Die fünf Jahrhunderte harmonischen jüdisch-muslimischen Zusammenlebens fanden im 13. Jahrhundert ein jähes Ende. Damals übernahmen die Mamluken von den Ayyubiden die Herrschaft. Unter dem Regime von Baybar Mamluk war Juden der Zugang zum Tempelberg wie auch zum Patriarchengrab in Hebron verwehrt. Ein Zustand, der, von einigen kurzen Ausnahmen abgesehen, 700 Jahre lang bis 1967 andauern sollte.

 

Rückeroberung

Mit dem Aufkommen des Zionismus wurde die Idee einer jüdischen Präsenz in Jerusalem zu einem Traum, der durch die jüdische Einwanderung im damaligen Palästina in greifbare Nähe rückte. Cohen erwähnte einige Zusammenstöße zwischen Juden und Muslimen hinsichtlich der heiligen Stätten, insbesondere des Tempelbergs. Im Sechstage-Krieg von 1967 eroberte Israel Ost-Jerusalem, was den Juden den Zugang zum Tempelberg wieder ermöglichte. Während zionistische und israelische Führer es in der Regel ablehnen, sich mit einem Wiederaufbau des Tempels auseinanderzusetzen, engagieren sich Randgruppen dafür. Palästinensische Muslime sprechen meist vom „imaginären Tempel“, womit sie ihre Überzeugung zum Ausdruck bringen, die Juden würden bezüglich des Standorts des Tempels lügen, um den Muslimen die heilige Stätte streitig zu machen. Sie sind der Meinung, der Herodianische Tempel habe an dieser Stelle gestanden, aber für die Existenz des Salomonischen Tempels am gleichen Ort gebe es keine Beweise. Viele sind der Überzeugung, die nächste Intifada werde sich an den Streitigkeiten um den Tempelberg entzünden.

Die Teilnehmer schätzten den Vortrag, weil er geschichtliche Hintergründe zur aktuellen politischen Kontroverse beleuchtete. Ein Israeli äußerte, er habe viel Neues gelernt: „Besonders was die islamische Perspektive hinsichtlich des Tempelbergs angeht.“ Ein palästinensischer Teilnehmer gab zu, vorher so gut wie nichts über den Tempelberg gewusst zu haben, und fügte an: „Ich fand es toll, hier mit Israelis zu diskutieren. Das war das erste Mal für mich. Mir ist es wichtig zu verstehen, was sie denken und glauben.“

 

Musalaha-Rundbrief Sommer 2014

 

Lass mein Volk ziehen: Veränderung ist Herausforderung

Wenn wir an die Passah-Geschichte denken, steht uns der Pharao vor Augen, der die Forderung des Mose zurückweist. Aber nicht nur der Pharao – auch das Volk Israel musste überzeugt werden (2. Mose 6,9). In den Plagen lag nicht nur eine Botschaft an die Ägypter, sondern auch an die, die Befreiung brauchten.

Die versklavten Israeliten wussten, was sie als Sklaven zu erwarten hatten, aber der Veränderung haben sie dennoch Widerstand entgegengesetzt. Sie waren Teil eines mächtigen Reiches, wenn auch ganz am unteren Rand. Veränderung ist bedrohlich, Veränderung ruft Angst hervor. Mose rief sie auf, das zu verlassen, was sie kannten, das Leben am Nil mit der Trockenheit der Wüste zu vertauschen. Er rief sie in eine unsichere und bedrohliche Zukunft. Am Nil zu leben ist allemal besser, als in der Wüste vor Durst den Verstand zu verlieren – so ähnlich müssen sie gedacht haben.

Als Erstes musste Mose die Ältesten des Volkes überzeugen, dann musste er sich um die Aufseher kümmern. Im Volk gab es auch solche, die Vorteile zogen aus der Unterdrückung durch die Ägypter, nämlich die, die Aufsicht führten und dem Pharao Bericht erstatteten. Überall auf der Welt findet man Beispiele dafür, dass einzelne der Unterdrückten mit den Mächtigen kollaborieren und deshalb Vorteile genießen. Hier kollaborieren die Aufseher mit dem Pharao und leisten deshalb dem Mose Widerstand – nicht nur, weil die Zukunft ungewiss ist oder sie Sorge haben, wo das alles hinführen wird, sondern weil sie Sorge haben um ihre eigene komfortable Position, die auf Kosten des Volkes geht.

Durch Versöhnung stellen wir den Status quo in Frage. Das ist für viele bedrohlich, denn wir haben uns daran gewöhnt, dass es ist, wie es ist. Und wie die Israeliten haben auch wir Angst vor Veränderung. Wohin führt diese Versöhnung? Sie will uns wegführen vom Nil und an einen Ort bringen, wo wir uns auf Gott verlassen müssen. Sie führt an einen Ort ohne Furcht, Feindschaft und sozioökonomische Unterdrückung. Aber der Status quo hat auch Vorteile für uns. Hier kennen wir uns aus, hier haben wir Arbeit und Gemeinschaft. Es kann uns gehen wie den Aufsehern: wir könnten etwas verlieren, wenn wir Gottes Weg folgen. In unserer Kurzsichtigkeit können wir nicht erkennen, dass sie uns zu etwas Besserem ruft. Wir hören den Ruf, und unser Kopf versteht es auch, aber diese Botschaft muss noch in unser Herz sinken.

Wir sehen im Neuen Testament, dass auch Jesus mit Widerstand umgehen musste. Es gab damals viele Menschen, die ihm zujubelten. Als es dann aber darum ging, wirklich zu ihm zu stehen und seiner Botschaft zu glauben, liefen selbst seine Jünger davon. Jesus war eine Bedrohung für die Mächtigen, und am Ende kollaborierte sogar Judas mit den Führern, die Jesus bekämpften.

Die Geschichten von Mose und von Jesus sind Geschichten von großen Befreiern, die sowohl die Mächtigen als auch die Menschen um sie herum herausforderten. Die Botschaft der Versöhnung ist ebenfalls nicht nur an die Mächtigen gerichtet, sondern an uns alle. Mose und Jesus riefen auf zu einem Wechsel des Status quo, und wenn wir es vielleicht bequem finden da, wo wir gerade sind, verlangt es Vertrauen auf Gott, Versöhnung zu leben. Die Botschaft von der Versöhnung ist ein Ruf, in die Wüste zu gehen, ein Ruf, bei unserem Messias zu bleiben, auch wenn seine Botschaft lächerlich gemacht wird. Wir müssen auf die Stimmen dieser großen Befreier hören und dem Ruf Gottes, Botschafter der Versöhnung zu sein, folgen. Wir müssen gehorsam sein, damit wir die Größe der Verheißung und der Auferstehung sehen, die Gott für uns bereit hält.

 

 

Zuhören und Erinnern – Frauen-Seminar

Am 4. und 5. April fand unsere Frauenkonferenz mit 55 Teilnehmerinnen statt. Wir waren reich beschenkt durch die Vielfalt an Gaben, die hier eingebracht wurden: Lehrerinnen, die sich hatten ausbilden lassen für das Musalaha-Curriculum, Übersetzerinnen, die mit ihren Fähigkeiten Kommunikation ermöglichten, Anbetungsleiterinnen, die uns in Zeiten geistlicher Tiefe und Reinigung führten, und viele andere, die mit Transport, Unterkunft und Anmeldung beschäftigt waren. Das war wie eine Momentaufnahme dessen, was wir bei Musalaha wollen: Menschen befähigen, einander zu dienen.

Da einige unserer Teilnehmerinnen schon etliche Jahre mit Musalaha unterwegs sind, andere dagegen erst kurze Zeit, haben wir verschiedene Unterrichtseinheiten angeboten: eine zum Thema Zuhören für diejenigen, die neu dabei waren, und eine andere über das richtige Erinnern für die „Erfahreneren“. Eine der neuen Lehrerinnen begann ihre Einheit über das Zuhören damit, dass sie die Gruppe in Zweierteams aufteilte, bei denen jeweils die eine zuhören sollte, wie die andere eine schmerzliche Begebenheit erzählte. So wurde aktives Zuhören geübt. Den meisten fiel es leicht, mit Empathie zuzuhören. Danach besprachen wir die „Zehn Gebote des Zuhörens“, wozu u. a. gehört, bis zum Ende zuzuhören, ohne Urteil und ohne Voreingenommenheit. Diese Fähigkeiten wurden erklärt und während der ganzen Konferenz geübt. Viele Frauen erzählten, dass ihnen dieses Thema sehr gelegen kommt: Meistens reden wir in Unterhaltungen mehr, als wir zuhören, und formulieren im Kopf schon die nächste Antwort, bevor wir zu Ende zugehört haben. Eine Teilnehmerin sagte: „Normalerweise konzentriere ich mich auf das, was der andere hören soll. Aber dem anderen zuzuhören kann eine heilsame Wirkung haben, auch wenn ich anderer Meinung bin.“ Zuhören ist eine Botschaft für all unsere Lebensbereiche, nicht nur für Versöhnung.

In unserer Einheit über das richtige Erinnern sprachen wir über die kollektive Erinnerung unserer jeweiligen Volksgruppe. Wir gingen eine Liste mit Leiderfahrungen unserer Völker durch, die eine andere Frauengruppe vor zwei Jahren zusammengestellt hatte. Mit dieser Liste wandten wir uns den wirklichen und vermeintlichen Verletzungen auf beiden Seiten zu und bedachten die Gefühle, die sie hervorrufen. Eine Hälfte einer Tafel wurde gefüllt mit negativen Gefühlen, die wir irgendwann gehabt hatten, und wir tauschten uns darüber aus. Dann zogen wir eine Linie in der Mitte, nannten diese Linie „Versöhnung“ und überlegten, wie die Gefühle ersetzt oder positiv verändert werden können. Wie können unsere Erinnerungen die anderen aufbauen, statt sie herabzuzuziehen?

Es gab auch noch andere Aktivitäten an diesem Wochenende, wie z.B. einen Sprachkurs für Hebräisch und Arabisch – der Spaß gemacht hat und sehr praktisch ist. Diesen Sprachkurs wollen die Frauen fortsetzen.

Außerdem gab es einen Bazar, um Geld zu sammeln, damit auch Kinder aus armen Familien am Musalaha-Sommercamp teilnehmen können. Diesen Bazar gibt es jedes Jahr. Es begann damit, dass die Frauen fragten, was sie aktiv tun können mitten im Konflikt. Ideen mit politischem Inhalt wurden schnell verworfen, aber der Gedanke, Geld für bedürftige Kinder zu sammeln, ist eine neutrale Sache, an der alle gemeinsam arbeiten können. In diesem Jahr war das neue Buch von Salim Munayer und Lisa Loden „Through My Enemy‘s Eyes“ im Angebot; dazu Süßigkeiten und andere Lebensmittel, Schmuck und Sachen aus Olivenholz. Die meisten Dinge kosteten weniger als zehn Dollar, sodass alle die Möglichkeit hatten, etwas zu kaufen und so teilzuhaben. Ich kam nach Hause mit scharfen Peperoni aus einem Garten in Bethlehem, eingelegt von einer guten Freundin.

Wir sind von allem, was an diesem Wochenende war, gesegnet und tief bewegt. Zufällig fand unser Lobpreis in einem Raum statt, der sonst als Kindergarten genutzt wird, und eine Teilnehmerin sagte dazu: „Die Anbetung in so vielen verschiedenen Sprachen (Russisch, Hebräisch, Englisch, Arabisch) war faszinierend, und ich habe wirklich Gottes Gegenwart gefühlt. Es war gut, dass jemand darauf hinwies, dass wir in einem Kindergarten sind, auf den kleinen Stühlchen sitzen – wir sollen doch zu Gott kommen wie kleine Kinder. Die Gnade und Freiheit von Gott, die darin liegt, habe ich wirklich gespürt: eine Erfahrung, die mich, glaube ich, verändert hat.“

Die Zusammenarbeit im Team war wirklich gut; viele Frauen haben ihre Begabungen eingebracht und einander gedient. Wir bewegen uns inmitten von Konflikt und Missverständnis, aber wir haben unseren Freiraum gefunden, um der anderen Seite zu dienen.

Hedva

 

 

Neue Gruppe: junge Mütter

Am 21. März startete eine ganz neue Gruppe. Die meisten Frauen, die an unserem Programm teilnehmen, haben Kinder im Schulalter oder älter, und so war eine große Lücke zwischen den jungen Erwachsenen und den Frauen ab 35. Wir wollten schon länger etwas ins Leben rufen für unsere jungen Mütter, aber die waren ihrer Babys wegen oft nicht in der Lage, zu den langen Treffen zu kommen. So haben wir uns entschieden, im Raum Jerusalem/Bethlehem eine Gruppe zu starten, die sich nur für wenige Stunden trifft, und für die wir eine Kinderbetreuung anbieten können.

Wir waren gespannt auf diese jungen Frauen, und unsere Einladungen fanden gute Resonanz. Fünf Israelinnen und fünf Palästinenserinnen kamen zum ersten Treffen, und fast genauso viele Kinder. Die Kinder spielten friedlich, die Frauen kamen leicht ins Gespräch, und es brauchte nur wenige „Eisbrecher“, um tiefer einzusteigen.

Rittie Katz, die seit 20 Jahren Musalaha-Frauengruppen leitet, erzählte uns von den biblischen Grundsätzen und ihren Erfahrungen mit Versöhnung. Sie erklärte, das sei wie in der Ehe: Wir heiraten mit „exquisiten Missverständnissen“ und machen uns dann auf einen ganz ähnlichen Versöhnungsweg. Wir kommen aus verschiedenen Kulturen, haben jeder einen anderen Hintergrund und sehr unterschiedliche Erwartungen. Es ist eine wunderbare Reise, denn sie umfasst unseren Geist, unsere Gefühle, Gedanken und unseren Körper. Manchmal ist es ganz einfach, manchmal wird es richtig schwierig; aber sie ermutigte uns, dranzubleiben, auch wenn es schwer ist. Gerade die Herausforderungen weiten unseren Horizont und festigen unsere Identität. Zum Schluss forderte sie uns auf, die Botschaft von der Versöhnung vom Kopf ins Herz und in die Hände rutschen zu lassen.

Ritties Botschaft klang in uns nach, als wir in Kleingruppen gingen, um weiter darüber zu sprechen und sie auf uns ganz persönlich anzuwenden. Eine Frau fragte sehr nachdrücklich nach einer Vision für unsere Gruppe. Dem werden wir weiter nachdenken, bis zum nächsten Treffen.

Beim Zusammentragen von Gebetsanliegen, öffneten die Frauen sich weiter, und wir konnten die Unterschiede im Leben und im Umgehen mit dem Konflikt wahrnehmen. Es war wie eine Momentaufnahme unseres Lebens hier und jetzt und eine Ahnung, wie wir einander unterstützen können. Die Frauen haben versprochen, bis zum nächsten Treffen füreinander zu beten. Die nächsten beiden Termine stehen bereits.

Bitte beten Sie für uns, wenn wir beginnen, unser Leben zu teilen und den Weg der Versöhnung zu gehen. Einige Frauen wollen sich noch anschließen, konnten aber am ersten Treffen nicht teilnehmen. Beten Sie, dass Gott ihre Herzen vorbereitet und uns leitet, wenn es um die praktischen Schritte zur Versöhnung geht.

 

 

Jugendliche in der Wüste

Unter der glühenden Sonne steht alles still. Wir sind unterwegs und tragen nur unsere nötigste Ausrüstung bei uns. Wir sind den ganzen Tag gewandert, aber wir scheinen uns nicht vom Fleck bewegt zu haben – die Landschaft sieht immer noch genauso aus. Für unsere 32 israelischen und palästinensischen Jugendlichen war es nicht schwer, sich den Weg von Jericho nach Jerusalem vorzustellen.

Am ersten Tag nahmen wir die religiösen Menschen in der Geschichte vom barmherzigen Samariter in den Blick. Wir erwarten von unseren religiösen Führern, dass sie das Richtige tun, denn sie wissen, wie „richtiges Verhalten“ aussieht. In dieser Geschichte weigern sich der Priester und der Levit aber, einem verletzten Menschen zu helfen. Tun sie das aufgrund ihrer religiösen Pflicht, rein zu bleiben? Oder haben sie Angst, dies könnte eine Falle sein und sie selbst ausgeraubt werden? Egal –sie denken an sich, anstatt an den Verletzten. Ihre religiösen und sozialen Normen haben sie im Blick, nicht aber das Leben des Verletzten.

Als Nachfolger Christi wissen wir, dass Jesus uns zur Liebe füreinander aufruft. Manche von uns können viele Bibelstellen auswendig, in denen Jesus uns gebietet, zu lieben. Das ist eine der Säulen unseres Glaubens als messianische Juden und palästinensische Christen, und dazu erziehen wir unsere Kinder.

Auch der Spezialist, auf dessen Frage hin Jesus diese Parabel erzählt, zeigt eine gewisse Reserve der Aufforderung Jesu gegenüber, er solle seinen Nächsten lieben. Jesus stellt unser Verständnis davon, wer der Nächste ist, in Frage. Wir neigen dazu, unsere Familie, Freunde und Gesellschaft als Nächste zu sehen. Und als Mitglieder verschiedener Gruppen betrachten wir die, mit denen wir viel gemeinsam haben (Geschlecht, Rasse, Kultur u. a.), als Teil unserer Kerngruppe. Wir können die Welten gut auseinanderhalten und wissen genau, wer dazu gehört und wer nicht. Aber Jesus weitet dieses Konzept von Liebe. Die draußen gehören dazu, und der Fremde ist der Nächste. Auch als Gläubige haben wir Gruppenzugehörigkeiten, das ist Teil unserer sozialen Strukturen. Manchmal weigern wir uns, die Grenzen unserer Liebe weiten zu lassen. Einer unserer Teilnehmer sagte: „Wenn ihr mich vor diesem Trip gefragt hättet, ob ich nach Bethlehem gehe, hätte ich mit Sicherheit abgelehnt, weil ich Angst hatte vor den Palästinensern. Aber jetzt, nachdem ich ein paar Freunde kennen gelernt habe, bin ich bereit dazu.“ Auch als Gläubige verweigern wir anderen unsere Liebe und unsere Gegenwart, weil sie nicht zu unserer Gruppe gehören.

Über den Samariter erfahren wir nicht viel, außer dass er auf derselben Straße unterwegs war. Er kommt dem Verletzten sofort zu Hilfe. Er überlegt nicht erst, wer das wohl sein könnte. Er kümmert sich um ihn, nimmt sein eigenes Öl und seinen Wein, um die Wunden zu versorgen, bringt ihn in die nächste Stadt und bleibt die Nacht über bei ihm.

Zweierlei sehe ich am Beispiel des Samariters. Erstens war er bereit, die sozialen und religiösen Normen beiseite zu lassen, um einem Bedürftigen zu helfen. Was auch immer die Konsequenzen sein würden – der Samariter scheint sich nicht darum gekümmert zu haben. Zweitens hat er ohne Scham gehandelt: Er brachte den Verletzten in die nächste Stadt, ohne ihn zu verstecken. Er ging nicht an die Hintertür der Herberge, damit niemand den Verletzten – einen Juden – sah.

Den anderen achten und ohne Scham handeln. Unsere Teilnehmer sind in ihren jeweiligen Kulturen immer in der Minderheit, und wir sehen oft, dass sich die Jugendlichen für ihren Glauben schämen. Oder den Palästinensern ist es peinlich, sich mit Israelis zu treffen, und Israelis ist es peinlich, Palästinenser zu treffen, denn sie haben Angst vor dem, was die Mehrheit darüber denken könnte.

Der Mann im Gleichnis wird halbtot liegengelassen. Was geht in ihm vor, als er sieht, dass der Priester und der Levit sich nähern? Versucht er, sich bemerkbar zu machen, damit sie ihm helfen? Immerhin gehört er zu ihrer Gruppe – sie sind seine religiösen Leiter. Und wie enttäuscht und hoffnungslos muss er sein, als sie vorbeigehen.

Auf der anderen Seite wird er Angst gehabt haben, als er den Samariter auf sich zukommen sah. Stellen Sie sich vor, Ihr Feind kommt auf Sie zu in einem Moment, in dem Sie vollkommen wehrlos sind. Vielleicht nimmt er alle Kraft zusammen, um ihn wegzuschubsen. Vielleicht fleht er um Erbarmen. Was empfindet er, als er merkt, dass dieser Mann ihm tatsächlich helfen will. Der Samariter trägt ihn und gibt ihm Schutz. Kann ein Palästinenser sich vorstellen, dass ein israelischer Siedler ihm zu Hilfe kommt, wenn er völlig hilflos ist? Können Israelis es sich vorstellen, dass ein palästinensischer Moslem ihnen hilft, wenn sie ganz wehrlos sind? Dieses Gleichnis weitet unser Verständnis von Liebe, wie Christus sie meint: eingeschworene Feinde werden durch das Kreuz zu Brüdern und Schwestern.

Am letzten Abend gab uns ein Teilnehmer eine eindrucksvolle Interpretation des barmherzigen Samariters: Für ihn war der Samariter wie die Wüste, der Verletzte wie unsere Gruppe und die religiösen Leute wie der Hintergrund aus dem wir kommen. Die Wüste gibt uns das Öl und den Wein, die wir brauchen, um unsere Wunden zu verbinden. Vielleicht möchten wir als Verletzte nicht in der Wüste sein, weil es nicht unser Lebensraum ist und nicht mit unserer Kultur übereinstimmt – und es trennt uns von unseren Familien. Aber am Ende dieser Tage merken wir trotz der Hitze, der langen Wanderungen, der sich wiederholenden Landschaft und des gesunden Essens, dass wir die Wüste brauchen, um unsere Feinde zu lieben.

Am letzten Tag lassen wir immer den Bus noch einmal halten, bevor wir nach Hause kommen und gehen zusammen Mittag essen. Und weil die Jugendlichen dann vier Tage lang zu jeder Mahlzeit Sesampaste, Beduinenbrot, Joghurt und Gemüse gegessen habe, verlangen sie nach etwas Fettigem und Schwerem. Wir kamen also zurück in die Zivilisation und mischten uns zum Essen unter die normalen Menschen. Wir gingen sehr entspannt miteinander um und wechselten ständig zwischen Arabisch und Hebräisch hin und her, ohne zu merken, dass die Leute uns etwas verwirrt anstarrten. Eine Mutter kam schließlich auf mich zu und fragte, was das für eine Gruppe wäre. Und ich sagte ihr ganz stolz, das wäre eine Gruppe israelischer und palästinensischer Jugendlicher, die zusammen vier Tage in der Wüste waren. Wir schämen uns nicht und haben auch keine Sorge, wer uns sehen könnte – die vier Tage haben uns verändert, und wir sind zu einer Kerngruppe geworden.

Shadia Qubti

 

 

 

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