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Wer ist Mose?

Von Jurek Schulz

Die Geschichte von Mose ist allgemein bekannt. Doch was zeichnet seine Person aus?

Zum Zeitpunkt von Moses Geburt lebte das Volk Israel in der ägyptischen Sklaverei. Seine Eltern, der Vater Amram (hebr.- „das Volk oder der Verwandte ist erhaben“) und die Mutter Jochebed (hebr. „Jahwe ist gewichtig“), entstammten dem Priesterstamm der Leviten (2. Mo. 6,18; 4. Mo. 26,57-59). Amram wurde der Begründer des levitischen Geschlechts der Amramiter. Er erreichte ein Lebensalter von 137 Jahren. Auch für die damalige Zeit war seine Heirat mit Jochebed sehr ungewöhnlich, denn sie war die Schwester seines Vaters Kehat und damit seine Tante. Später wurden solche Ehen ausdrücklich verboten.

Der Name „Mose“ ist wohl ägyptischen Ursprungs und bedeutet „herausgezogen“ oder „Herauszieher“ (aus dem Wasser, 2. Mo. 2,10). Die gleiche Bedeutung hat das Wort auch im Hebräischen. Einige vermuten aber, dass „Mose“ „Sohn von …“ (einem Unbekannten) heißen kann, wie z. B. Thutmosis (Sohn von Thut) oder Ramses (Sohn des Gottes Re).

 

Seine Familie

Wie dem auch sei, fest steht, der Name ist ein Hinweis auf die einzigartige Rettung des Mose durch das kluge Handeln seiner Mutter. Nachdem der Pharao den Befehl zur Tötung aller neugeborenen Söhne der Hebräer erlassen hatte, legte Jochebed das Kind in einer kleinen „Arche“ aus Schilfrohr in den Nil. Seine Schwester Mirjam ließ das Körbchen nicht aus den Augen und blieb in Reichweite. Eine Tochter des Pharaos fand das Baby, und Mirjam sorgte bei der Rettung ihres Bruders geistesgegenwärtig dafür, dass die eigene Mutter von der Tochter des Pharao als Amme eingesetzt wurde (2. Mo. 2,3-10).

Neben der älteren Schwester Mirjam hatte Mose noch einen älteren Bruder Aaron, der erst beim Auszug aus Ägypten eine wesentliche Rolle spielte. Mirjam wurde während des Exodus als Prophetin genannt und leitete den Frauenchor (2. Mo. 15,2ff). Der Prophet Micha bezeichnet sie zusammen mit Aaron und Mose als Gesandte Gottes beim Auszug Israels aus der Sklaverei in Ägypten (Mi. 6,4).

Mose galt als „Sohn der Tochter des Pharao“ (Hebr. 11,24). Als solcher wurde er „in aller Weisheit der Ägypter gelehrt und war mächtig in Worten und Werken“ (Apg. 7,22). Doch im Alter von 40 Jahren musste er fliehen, nachdem er einen ägyptischen Sklavenaufseher erschlagen hatte. In der Wüste Midian, im heutigen Sinai, fand er Zuflucht bei den Midianitern. Der Priester Jitro gab ihm seine Tochter Zippora zur Frau. In 4. Mose 12,1 ist außerdem von einer „kuschitischen Frau“ die Rede. Meiner Ansicht nach handelt es sich nicht um eine zweite Frau Moses, sondern um eine andere Bezeichnung für Zippora. Es könnte sein, dass sie „Kuschitin“, d. h. Äthiopie-rin, war. Kusch und Midian hatten damals gemeinsame Grenzen.

Mose lebte 40 Jahre in Midian und wurde Vater zweier Söhne, Gerschom (zu Deutsch „Fremdling“) und Elieser („Gottes Hilfe“). Die Midianiter waren ein Brudervolk der Israeliten und stammten auch von Abraham ab. Ihre Stammmutter war allerdings Ketura, die Abraham nach Saras Tod zur Frau nahm (1. Mo. 25,1-2). Das könnte auch erklären, warum Jitro ein gläubiger Priester war, der den Titel „Reguel“ (zu Deutsch „Freund Gottes“) trug.

 

Ein Freund Gottes

Der entscheidende Wendepunkt im Leben des Mose ereignete sich in dieser Wüstenzeit, als er dort Zeuge eines erstaunlichen Phänomens wurde (2. Mo. 3,1-6): Er sah einen Dornbusch, der brannte, jedoch nicht verbrannte. An dieser Stelle offenbarte sich ihm Gott mit seinem Namen „JHWH“. Es ist das einzige Mal in der gesamten Heiligen Schrift, dass Gott selbst einem Menschen seinen Namen offenbart. Dieser ist geheimnisvoll und schwierig zu übersetzen. „Ich bin, der ich bin“, oder „Ich werde sein, der ich sein werde“ kommen wohl der Bedeutung am nächsten. Sachlich richtig ist auch die Übersetzung Martin Bubers: „Ich bin da.“ Dort am Dornbusch erhielt Mose die Berufung zur Rückkehr nach Ägypten und den Auftrag zur Befreiung seines Volkes; denn Gott hatte die Gebete seines Volkes Israel erhört.

Mit 80 Jahren wurde Mose zum Führer und Befreier seines Volkes berufen. Er wurde selbst zu einem Offenbarer Gottes: An ihm und durch ihn offenbarte sich Gott seinem Volk in machtvollerer Weise denn je. Als nationaler Leiter brachte er seinem Sklavenvolk nicht nur die Freiheit, sondern führte es Gottes Bestimmung zu, Gottes Herrlichkeit in der Welt groß werden zu lassen (2. Mo. 19,5ff.). Er war der Prophet, mit dem Gott „von Angesicht zu Angesicht wie mit einem Freund redete“, und der einzigartige „Knecht des Herrn“, mit dem Gott persönlich „von Mund zu Mund“ sprach (2. Mo. 33,11; 5. Mo. 34,5; 4. Mo. 12,7-8). Seit den Tagen des Paradieses hatte es das nicht mehr gegeben, und wir dürfen sehen, dass der Glaube Moses, d. h. sein Vertrauen in Gott, so groß war, dass er für uns zu einem bleibenden Vorbild des Glaubens wurde (Hebr. 11, 23-29).

Mose trat beim Bundesschluss Gottes mit seinem Volk als Vermittler auf
(2. Mo. 19–20) und übergab seinem Volk das „Buch des Gesetzes“ (Tora, die fünf Bücher Mose). Er war der Fürsprecher seines Volkes bei Gott (2. Mo. 32,11-14) und verfasste Gebete, die eines Tages auch in der Herrlichkeit Gottes gesungen werden (Offb. 15,3). Er erließ die Ordnungen für die Stiftshütte und die Gottesdienste und ordnete auch die sozialen und die gesellschaftspolitischen Verhältnisse für Israel (2. Mo. 20–23; 25–31).

In all diesem Schaffen waren es aber nicht allein die Aufgaben, die ihn hervorhoben, sondern seine Größe lag auch in seinem Charakter begründet. Er wird als der demütigste und selbstloseste Mensch auf Erden bezeichnet (4. Mo. 12,3). Als er mit 120 Jahren im Lande Moab starb, war er noch immer im Vollbesitz seiner Kräfte und seines Augenlichts. Gott selbst begrub ihn, und niemand weiß, wo (5. Mo. 34,1-7). Selbst in der himmlischen Engelswelt gab es Diskussionen um den Leichnam Moses (Jud. 9) – der Ort seines Begräbnisses bleibt Gottes Geheimnis.

 

Ein Prophet

Niemals wieder gab es einen solchen Propheten wie Mose (5. Mo. 34,10). Im Neuen Testament wird er 80-mal erwähnt. Die außerordentliche Bedeutung Moses stellt auch der Apostel Johannes in seinem Prolog zum Johannes-Evangelium heraus: „Weil das Gesetz (die Tora) einmal durch Mose übergeben worden war, wurden die Gnadengabe und die Wahrheit durch Jesus, den Messias, Wirklichkeit“ (Joh. 1,17, nach der Übersetzung von Andreas Eichberger, Gottes Agenda, NT 2010). Es wird deutlich, dass Mose als Prophet beschrieben wird, der den Weg zu Jesus aufzeigte (5. Mo. 18,15; Lk. 24,27.44). Seine Weisungen blieben die Orientierung für Israel auch weit nach seiner Zeit (Lk. 16,29-31).

Jesus selbst sagte, es sei sein Auftrag, die Tora zum Ziel zu führen, für das sie gegeben wurde (Mt. 5,17). Petrus machte deutlich, dass in allen Generationen Menschen den „Geist des Messias“ in sich trugen und nach dem Zeitpunkt der Erlösung forschten, was im Messias den Abschluss fand (1. Petr. 1,10-11; Hebr. 11,23-26).

Vielleicht soll dies auch bei der Begebenheit der Verklärung Jesu deutlich werden, in der Mose als der Offenbarer des Gesetzes (Tora) und Elia als der Vertreter der Propheten sich auf einem Berg, dem später nach diesem Ereignis benannten „Berg der Verklärung“, zu Jesus gesellen. Von Bedeutung ist dieses Zusammentreffen deshalb, weil durch diese drei Personen in gewissem Sinne die ganze Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen dargestellt wird.

 

 

Prophetien über den Messias aus dem 1. Buch Mose

 

Inhalt

 

Bibelstelle

 

Erfüllung

 

Der Same der Frau

 

1. Mo. 3,15

 

Von einer Jungfrau geboren (Gal. 4,4)

 

In Ihm werden alle gesegnet

 

1. Mo. 12,1-3

 

Die Erde ist durch Ihn gesegnet
(Apg. 3,25-26)

 

Melchisedek (König der Gerechtigkeit), Priester Gottes

 

1. Mo. 14,18

 

Der Priester der Ewigkeit (Hebr. 6,20);
König des Friedens (Hebr. 7,1-2)

 

Israel, ein Segen für die Völker

 

1. Mo. 26,3-5

 

Die Erde ist gesegnet durch den Messias Israels (Apg. 3,25); ein Segen für die Völker durch den Nachkommen Abrahams (Gal. 3,8); Christus, der Nachkomme Abrahams (Gal. 3,16)

 

Dein Geschlecht wird ein Segen auf der Erde sein

 

1. Mo. 28,14

 

Die Verheißung des Bundes, ein Segen auf

der Erde (Apg. 3,25-26); Segen der Erde

(Gal. 3,8); der Segen Abrahams in Christus

(Gal. 3,14); der Segen in Christus durch die

Verheißung des Geistes (Gal. 3,16)

Der Messias aus Juda ist ein Erlöser

 

1. Mo. 49,8-12

 

Der Messias ist aus Juda (Mt. 1,1-17); der Erlöser besitzt den Thron des himmlischen Vaters (Lk. 1,30-33); aus Juda kommt der Messias (Hebr. 7,14); der Löwe aus Juda (Offb. 5,5)

 

 

 

Prophetien über den Messias aus dem 5. Buch Mose

 

Inhalt

 

Bibelstelle

 

Erfüllung

 

Ein größerer Prophet als Mose wird kommen

 

5. Mo. 18,15-19

 

Jesus wurde als Prophet aus Nazareth gefeiert (Mt. 21,10-11); er weckte Tote auf (Lk. 7,11-13), und er tat noch viele mächtige Wunder in Tat und Wort (Lk. 24,17-20);
er wurde von Mose angekündigt (Joh. 1,45); der Messias ist der von Mose angekündigte Prophet (Apg. 3,22-26; 7,37)

 

Der Gehängte ist verflucht bei Gott

 

5. Mo. 21,23

 

Der Messias wurde für uns zum Erlöser, da er den Fluch trug, den wir verdienten (Gal. 3,13)

 

 

 

 

 

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