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Mission in Israel 

Mission ist eines der größten Reizwörter in Israel. - Sind missionarische Aktivitäten in Israel verboten? Was hält das Judentum von Mission?

Von Hanspeter Obrist

 

„Die Judenmission ist für mich die Fortsetzung des Holocaust mit anderen Mitteln.“ Dieses radikale Urteil fällte der Rabbiner Dr. Joel Berger an einer Podiumsdiskussion am deutschen Kirchentag 1999 in Stuttgart.

„Mission“ ist für Juden ein Reizwort, da sie damit alle negativen Erfahrungen mit Christen verbinden. Christliche Mission kommt für sie gleich nach der spanischen Inquisition, den Kreuzzügen, den Pogromen (Verfolgungen) in Osteuropa und dem Holocaust.

Selbst die christlich geförderte Rückführung der Juden wird von einigen Rabbinern abgelehnt. Sie argwöhnen, dass die Christen dies nur täten, weil sie überzeugt seien, dass Christus dann schneller wiederkomme. Bei seiner Wiederkunft würde Jesus dann die Juden in Israel zu „Christen“ machen, und somit das Judentum auslöschen.

 

Missionare im Judentum

Schon das Matthäusevangelium berichtet von Pharisäern, die umherzogen, um Menschen für das Judentum zu gewinnen (Mt. 23,15). Kennzeichen jüdischer Mission ist, dass sie nicht mit Gewalt, sondern durch Überzeugung Menschen zu gewinnen versucht, was auch dem biblischen Verständnis von christlicher Mission entspricht.

Die missionarisch aktivste Gruppe im Judentum ist heute die Chabad-Lubawitsch-Bewegung. Sie ermutigt alle Nichtjuden, die sieben Gesetze Noahs einzuhalten, die jedoch so nicht in der Bibel stehen, sondern rabbinischen Ursprungs sind. Andere jüdische Richtungen sind gegenüber Nichtjuden weniger missionarisch. Untereinander werben Juden in Israel jedoch intensiv für ihre jeweiligen Gruppierungen.

Aus jüdischer Perspektive macht es wenig Sinn, Nichtjuden zum Judentum bekehren zu wollen, da nach jüdischer Lehre die religiösen Gebote nur für Juden gültig sind und sie keine Erbsünde oder Trennung von Gott kennen. Lediglich die Regeln, die das Zusammenleben der Menschen ordnen, sind auf alle Völker anwendbar.

 

Religionsfreiheit

Israel ist ein demokratisches Land, das die Menschenrechte unterzeichnet hat und damit jedem Menschen das Recht zugesteht, seine Religion selbst zu wählen. In der Praxis besteht aber ein hoher sozialer Druck, die Religion nicht zu wechseln. Der Staat hat das Eherecht und die Verwaltung der Friedhöfe den Religionsgemeinschaften übertragen. Das bedeutet, dass man nur von einem Geistlichen verheiratet werden kann und einer Religion angehören muss, um auf deren Friedhof ein Grab zu erhalten. So bleiben die meisten Menschen aus sozialen Gründen bei der Religion, in die sie hineingeboren wurden.

Grundsätzlich hat jeder in Israel das Recht, seinen Glauben offen zu bekennen und weiterzugeben. Ein seit 1978 bestehendes Gesetz gegen die „Überredung zum Religionswechsel“, kurz „Anti-Missionsgesetz“ genannt, stellt die Anstiftung zum Religionsübertritt unter Strafe, wenn finanzielle oder andere materielle Zuwendungen damit verbunden sind. Das Schutzalter in religiösen Fragen liegt in Israel bei 18 Jahren, obwohl bereits 13-jährige Jungen mit der Bar Mizwa bzw. 12-jährige Mädchen mit der Bat Mizwa religiös mündig werden. Wer Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren ohne Einwilligung ihrer Eltern von Jesus erzählt, macht sich strafbar.

 

Verlust der Volkszugehörigkeit

Im September 1992 beschloss das Oberste Gericht, dass Juden, die an Jesus glauben (messianische Juden), nicht mehr als Juden anerkannt werden, sondern als Angehörige einer anderen Religion gelten. Gemäß der jüdischen Tradition (Halacha) ist jemand Jude, wenn er von einer jüdischen Mutter geboren wurde. Dies steht im Widerspruch zum Tenach (AT), wo die Familienlinie über den Vater verläuft. Wenn nun jemand, der eine jüdische Mutter hat, Jesus aus freiem Willen als seinen Messias anerkennt, darf er nicht mehr als Jude nach Israel einwandern, weil er aus Sicht der Rabbiner keiner mehr ist.

Unabhängig davon können alle Nichtjuden einwandern, deren Kinder in der israelischen Armee dienen oder bei denen nur der Vater oder ein Großelternteil als Jude anerkannt ist. Kürzlich wurde jedoch der israelische Pass eines Pastors wegen seines Glaubens einige Zeit lang nicht mehr erneuert.

 

Transkulturelle Mission

Die jüdische und arabische Kultur unterscheiden sich deutlich von der westlichen. Wenn wir über den Glauben sprechen, ohne den orientalischen kulturellen Kontext einzubeziehen, werden wir leicht missverstanden, da wir ein völlig unterschiedliches Weltbild haben.

Paulus ermutigt uns, auf die Kultur des anderen einzugehen (1. Kor. 9,20-21). Es ist interessant zu beobachten, dass durch das Zeugnis von messianischen Juden oft Nichtjuden zum Glauben kommen und umgekehrt durch Nichtjuden Juden zum Glauben an Jeschua (Jesus), den jüdischen Messias, finden. Dennoch ist der Kontakt der messianischen Juden untereinander wichtig, denn viele denken, wenn sie zum Glauben kommen, sie seien die ersten Juden, die Jesus als Messias erkannt hätten. Dabei sind gerade in den letzten Jahren so viele Juden zum Glauben an Jeschua gekommen wie nie zuvor.

 

 

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