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Die drei jüdischen Messiaswunder

Von Hanspeter Obrist

Vor rund 2000 Jahren entstand im Judentum die Erwartung, dass nur der Messias folgende Wunder vollbringen kann: Die Heilung eines Leprakranken, die Austreibung eines stummen Geistes und die Heilung eines blind geborenen Menschen.

Lepra hatte nach dem Gesetz von Mose weitreichende Konsequenzen. Der Leprakranke war nicht nur krank, er wurde auch aus dem gesellschaftlichen und gottesdienstlichen Leben ausgeschlossen. Nur ein Priester konnte jemanden als aussätzig oder wieder gesund erklären. Ab dem Tage, an dem man für aussätzig erklärt wurde, war man verpflichtet, seinen Zustand publik zu machen. Wenn also jemand in die Nähe eines Leprakranken kam, musste dieser die Warnung „unrein, unrein“ aussprechen.

Von Mose bis Jesus findet sich allerdings nirgendwo ein Hinweis auf die Heilung eines jüdischen Leprakranken. Miriams Heilung fand zu Lebzeiten Moses statt (4. Mo. 12,10-14), und der unter dem Propheten Elisa geheilte Naaman (2. Kö. 5,14) war Syrer.

Mose widmete zwei umfangreiche Kapitel (3. Mo. 13–14) der priesterlichen Vorgehensweise bei Feststellung und Heilung eines Leprakranken. Doch nie ergab sich eine einzige Gelegenheit, die Wiederaufnahme eines Geheilten zu praktizieren. Mit der Zeit fand unter den Rabbinern die Lehre Verbreitung, ein jüdischer Aussätziger könne nie geheilt werden, außer durch den Messias. Sie teilten die Wunder in zwei Kategorien ein. Auf der einen Seite waren die Wunder, die jeder vollbringen konnte, wenn Gott einen dazu befähigte. Auf der anderen Seite gab es die Wunder, die nur der Messias tun konnte. Zu Letzteren gehörte die Heilung eines jüdischen Aussätzigen.

 

Die erste Heilung eines Leprakranken

Als Jesus dieses Wunder zum ersten Mal tat (Mk. 1,40-44; Mt. 8,2-4; Lk. 5,12-14) und dem Todgeweihten neues Leben schenkte, verursachte dies in den Reihen der Schriftgelehrten Aufsehen. Jesus forderte den Geheilten auf, wie in den Schriften gefordert, zum Priester zu gehen und das gebotene Opfer darzubringen (Lk. 5,14). Die Priester hatten nach der Vorschrift von Mose zu untersuchen, ob er wirklich aussätzig gewesen, ob er nun geheilt war und wer ihn geheilt hatte. Der Mann war nach Lukas 5,12 „voller Aussatz“. Das heißt, die Krankheit war richtig ausgebrochen und für jeden offensichtlich. Damit stellte sich eigentlich nur noch die Frage, ob Jesus der Messias war. Einer, der einen jüdischen Aussätzigen heilte, proklamierte sich in der damaligen jüdischen Gesellschaft allein durch diese Tat unweigerlich als potenzieller Messias.

 

Die Untersuchung

Nun begann ein festgelegtes Prüfungsverfahren. Immer wenn eine messianische Bewegung aufkam, musste der Sanhedrin, der Hohe Rat, diese in zwei Schritten untersuchen. Die erste Phase war die Beobachtung. Es wurden Männer ausgesandt, um zu beobachten, was gesagt, gelehrt und getan wurde. Nur wenn die Bewegung als wichtig eingestuft wurde, folgte der zweite Schritt der Untersuchung, die Phase der Befragung.

 

Ein göttlicher Messias

Aus Markus 2,1 geht hervor, dass die Beobachtung in Kapernaum stattfand. In Lukas 5,17 wird beschrieben, dass die Schriftgelehrten aus allen Orten Israels anwesend waren. Und mitten in diese Versammlung hinein brachten vier Männer einen Gelähmten. Jesus wusste, dass er unter Beobachtung stand, und heilte den Mann nicht sofort. Stattdessen sagte er: „Deine Sünden sind vergeben“ (Mk. 2,5). Jesus beanspruchte damit göttliche Autorität. Da die Prüfungskommission der Schriftgelehrten zu diesem Zeitpunkt noch keine Fragen stellen durfte, „überlegten sie in ihren Herzen“ (Mk. 2,6) oder „sprachen bei sich selbst“ (Mt. 9,3). Sie dachten: „Was redet dieser so? Er lästert. Wer kann Sünden vergeben außer einem, Gott?“ (Mk. 2,7). Richtig ist, dass niemand Sünden vergeben kann als allein Gott. Das bedeutet: Entweder ist Jesus ein Gotteslästerer, oder er ist, wer er behauptet zu sein – der göttliche Messias. Deshalb stellt Jesus die Frage (Mk. 2,9): „Was ist leichter? Zu dem Gelähmten zu sagen: Deine Sünden sind vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett auf und geh umher?“ Jesus erbringt den unmittelbaren Beweis, dass er die Vollmacht hat, Sünden zu vergeben, indem er den Gelähmten augenblicklich heilt (Mk. 2,11-12; Lk. 5,24-25). Damit hat Jesus öffentlich den Anspruch gestellt, der göttliche Messias zu sein. Nun trat Jesus in die zweite Stufe der Untersuchung. Ab jetzt würden die Schriftgelehrten ihm folgen, Fragen stellen und Einwände bringen, um ihn entweder abzulehnen oder anzuerkennen. Wie gehen wir selbst mit diesem Anspruch von Jesus um?

 

Fortsetzung

 

 

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