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Die folgenden Beiträge sind in unserem Magazin „Messianisches Zeugnis“ / „focus israel“ oder in der Gebetsmail erschienen:

 

Mit über 80 Jahren den Messias gefunden

Lydia Montefiore wurde im Jahr 1771 geboren. Sie war die Tante des legendären Barons Moses Montefiore (1784 - 1885), des englischen Politikers, der sich für die notleidenden Juden in Israel einsetzte. Montefiore glaubte an die messianische Wiederherstellung von Israel und half beim Aufbau von Krankenhäusern, landwirtschaftlichen Siedlungen und Synagogen. In Konkurrenz zu den protestantischen Siedlungen baute er die jüdische Siedlung Mishkenot Shaanaim außerhalb der Altstadt von Jerusalem auf.

 

Lydias Eltern waren strenggläubige, orthodoxe Juden, die sie zum Halten des Schabbats, der heiligen Feste, sowie der im Gesetz Moses vorgeschriebenen Gebräuche anhielten. Nach dem Tod ihrer Eltern bereiste Lydia Montefiore Amerika und einige europäische Länder. In Marseille angekommen, kam sie in Kontakt

mit einem jüdischen Ehepaar namens

Cohen.

 

Als Herr Cohen bei einem Besuch bei Frau Montefiore auf dem Tisch eine Bibel entdeckte, sagte er zu ihr: „Wie ich sehe, lesen Sie Ihre Bibel.“ „Ja“, antwortete sie, „sie ist mein größter Trost.“ Dann las er ihr das 53. Kapitel aus dem Buch Jesaja vor und fragte sie nach ihrer Meinung. Frau Montefiore entgegnete ihm: „Ich würde gerne Ihre Ansicht hören.“ „Es ist meine Überzeugung, dass dieser Abschnitt sich auf das Leben und den Tod des Messias bezieht“, entgegnete er ihr. „Es hat sich buchstäblich erfüllt in Jesus, an den ich als den verheißenen Messias glaube.“ „Dann sind Sie ein Christ?“ sagte sie. „Ja, ich bin froh, zu bezeugen, dass Gott gnädig war und mir die Augen öffnete.“ Frau Montefiore wandte sich an die Dame, welche die Begegnung arrangiert hatte und äußerte ärgerlich: „Ich dachte Sie sagten, Cohens seien Israeliten!“ „Das sind sie auch, wahre Israeliten“, antwortete die Dame. Es entstand eine kurze Pause. An den zitternden Lippen und dem erröteten Gesicht von Frau Montefiore konnte man ablesen, dass sie bis ins Innerste getroffen war. Aufbrausend erwiderte sie: „Ich denke, es ist äußerst beleidigend, Leute aufzusuchen, um sie vom Glauben ihrer Väter abbringen zu wollen. Warum lassen Sie nicht jedem seine eigene Religion? Ich muss Ihnen sagen, dass ich eine überzeugte Jüdin bin. Ich bin als Jüdin geboren, lebe seit dreiundachtzig Jahren als Jüdin und werde auch als Jüdin sterben.“

 

Frau Montefiore konnte nicht begreifen, dass Christen, die behaupteten Gott zu lieben, das Gesetz Moses nicht hielten. Sie meinte: „Wenn Christus das Gesetz Moses beseitigt hat, wie kann er dann der Messias sein?“ Herr Cohen erklärte ihr, dass Christus nicht gekommen sei, um das Gesetz aufzulösen, sondern um es zu erfüllen. Er habe die wahre Bedeutung der mosaischen Verordnungen und Satzungen bekannt gemacht, die zur damaligen Zeit durch die Tradition der Schriftgelehrten und Pharisäer verändert worden waren. Er wies auf den Neuen Bund Gottes hin und darauf, dass Gott das Gesetz in die Herzen der Menschen schreiben würde. Hier unterbrach Frau Montefiore Herrn Cohen plötzlich: „Wo ist das über den Neuen Bund geschrieben? Das steht nicht in meiner Bibel!“ „Entschuldigen Sie bitte, das steht in Ihrer Bibel“, unterbrach er sie und zeigte ihr die Stelle aus Jeremia 31,31 - 33, welche sie mit offensichtlichem Erstaunen las. Sie unterhielten sich noch lange über Gott und sein Wort und Frau Montefiore zeigte immer größeres Interesse an allem, was Herr Cohen sagte.

 

Bei der Verabschiedung bemerkte sie in einem freundlichen Ton, dass sie nicht verstehe, wie ein Jude, der an Jesus glaubt, noch ein Israelit sein könne. Herr Cohen widerstand ihr und gab ihr zu verstehen: „Meinen Sie, ich hätte aufgehört Jude zu sein, nur weil ich an Jesus glaube? Das ist unmöglich; denn er selbst war Jude und seine Jünger waren es auch. Er selbst predigte fast nur zu den Juden und erst als die Juden sich weigerten seine Botschaft anzunehmen, sandte er seine Apostel zu den Heiden.“ Die Gastgeberin öffnete sich für diese Botschaft und sagte abschließend zum Ehepaar Cohen, dass sie sie gerne bald wiedersehen möchte, nur nicht am Schabbat, da sie sich an diesem Tage zum Beten und Bibellesen zurückziehe.

Herr Cohen besuchte sie bald wieder. Nach kurzer Unterhaltung über äußere Geschehnisse wandte sich ihr Gespräch dem Thema der Buße zu. Die Buße schien sie schwer zu beschäftigen. Herr Cohen erklärte ihr: „Was wir am meis-ten wollen, ist ja die Vergebung unserer Sünden, nicht immer wieder darüber Buße zu tun, sondern sie völlig zu lassen. In Ägypten sagte Gott unseren Vätern nicht: ‚Wenn ich sehe, dass ihr Buße tut, will ich euch erretten’. Sondern er sagte (2. Mose 12,13): ‚Wenn ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen.’ Das Blut war damals Israels Sicherheit. Auch jetzt wirkt das Blut die Versöhnung für die Seele (3. Mose 17,11): ‚Denn das Blut ist die Entsühnung, weil das Leben in ihm ist.’“

 

Nach zögerndem Nachdenken sagte sie: „Der einzige Platz, an welchem nach dem Gesetz die Opfer dargebracht werden konnten, war der Tempel. Dieser ist uns Juden zur Zeit aber nicht zugänglich. Der Allmächtige wird sicher von uns nichts erwarten, was wir nicht tun können. Er wird gnädig unsere Gebete und unser Fasten, unsere Schabbat-Erfüllung und unser Bibellesen annehmen. Das tue ich täglich.“ Herr Cohen bemerkte: „Bitte verlassen Sie sich nicht auf solch brüchige Stützen.“

 

Beim gemeinsamen Bibellesen mit dem Ehepaar Cohen begann sie täglich klarer die Messianität Jesu vom Tenach her zu sehen. Bald folgte der Versöhnungstag. Da dachte sie: „Nun beginne ich zu empfinden, dass ich für meine Versöhnung mehr brauche als das Blut von Stieren und Böcken.“ Oft wiederholte sie die Worte: „Herr, ich glaube, hilf meinem Unglauben. – Früher hielt ich den Versöhnungstag mit Fasten und Gebet. Dabei hoffte ich vergebens die Vergebung für meine Sünden zu bewirken.“ Mit gefalteten Händen aufbli-ckend sagte sie: „Ich will Ihnen sagen, was ich Jesus dem Messias gesagt habe: Wenn ich gegen dich irgendetwas getan oder gesagt habe, vergib mir, o vergib mir; denn ich habe es in Unwissenheit getan.“

 

Im Oktober des Jahres 1854 schließlich äußerte Frau Montefiore den Wunsch, getauft zu werden. Die Taufe sollte allerdings im Verborgenen stattfinden. Frau Cohen jedoch riet ihr, das zehnte Kapitel des Matthäusevangeliums zu lesen und die Sache ernstlich im Gebet vor Gott zu bringen. Dabei zitierte sie das Wort Jesu: „Menschenfurcht ist eine Falle! Wer mich verleugnet vor den Menschen, den werde ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“ Nach einiger Zeit wollte sie noch einmal mit ihr über die Taufe sprechen.

 

Es war eine Freude für Frau Cohen zu sehen, wie die Menschenfurcht von Lydia Montefiore allmählich wich und ihr Vertrauen zu Gott wuchs. Frau Montefiore kam schließlich in Kontakt mit Pfarrer J. Monod, der sie mehrmals besuchte. Sie wurde durch die Treffen mit ihm sehr gesegnet. Als er von ihrem Glauben an Christus zutiefst überzeugt war, taufte er sie am 18. Januar 1855.

Den Abend vor der Taufe verbrachten Frau Cohen und Frau Montefiore zusammen. Sie lasen die Bekehrungsgeschichte des Paulus und die Leiden des Heilandes. Frau Montefiore war tief bewegt. Sie bat Gott, ihr am folgenden Tag beizustehen und sagte: „Wie dankbar bin ich, dass meine Menschenfurcht völlig gewichen ist. Sogar meiner Hausangestellten konnte ich von meiner Taufe berichten. Ich wünschte, dass alle meine Verwandten von meiner Entscheidung zu Jesus wüssten und ich bete zu Gott, dass sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen, ehe es zu spät ist.“

 

In einem Brief bedankte sich Lydia Montefiore bei ihrer Nichte, die schon seit längerer Zeit treu für sie betete. Kurz vor ihrer Taufe schrieb sie folgende wunderbare Zeilen: „Liebe L. – Endlich habe ich den Mut gefasst einige deiner Briefe zu beantworten... Es ist mein Gebet, dass die ganze Welt wie ich glauben möge, dass Jesus Christus Gottes eingeborener Sohn ist und dazu auserwählt war, alle unsere Sünden am Kreuz hinwegzunehmen. Durch den Glauben an ihn werden wir gerettet. Madame R. lieh mir eine Bibel mit dem Alten und Neuen Testament. Das Alte Testament kannte ich fast auswendig, aber das Neue Testament hatte ich nie zuvor gelesen. Ich habe es an vielen Abenden studiert bis meine Augen schmerzten. Wie klar und deutlich zeigt doch die Bibel das Kommen des Messias!“ Gott selbst hatte ihr aufgezeigt, dass Jesus der Messias ist.

 

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