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Die Botschaft vom Kreuz

Von Hanspeter Obrist

 

Pilatus ließ am Kreuz, an dem Jesus hing, ein Schild mit folgender Aufschrift anbringen: „Jesus von Nazareth, König der Juden“. Als jüdischer Rabbiner wird Jesus von vielen Menschen akzeptiert, doch der stellvertretende Kreuzestod wird als etwas Unjüdisches abgelehnt.

 

Ein israelisches Souvenir

Die arabische Pastorenfrau Elizabeth Atteih vom Immanuel-Bibelshop in Haifa berichtet: „Zwei junge jüdische Männer kamen in unser Geschäft, um typische Mitbringsel aus Israel für ihre Freunde in den USA zu kaufen. Sie entschieden sich schließlich für ein Kruzifix, also ein Kreuz mit dem gekreuzigten Christus. Mein Mann Najeeb fragte sie: ‚Wissen Sie, wer das ist?‘ ‚Ja, natürlich‘, antworteten sie, ‚das ist Jeschu.‘ Jüdische Menschen lernen von klein auf, Jesus ,Jeschu‘ zu nennen, was ein Spottname ist, anstatt seines richtigen Namens im Hebräischen ,Jeschua‘. Wir erklären dann jeweils, dass sein Name ‚Jeschua HaMaschiach‘, Jesus der Messias, ist. Najeeb ließ nicht locker: ‚Wissen Sie, weshalb er gekreuzigt wurde?‘ ‚Nein‘, antworteten sie. Er erklärte: ‚Er hing am Kreuz wegen Ihnen – weil er Sie liebt!‘ ‚Er liebt uns?‘, kam die erstaunte Gegenfrage. ‚Ja, er liebt die ganze Welt und starb für alle Menschen. Am Kreuz hat er alle Sünden getragen. Er kann Ihnen Vergebung schenken, wenn Sie an ihn glauben.‘ Sie waren sichtlich überrascht. Als sie sich verabschiedeten, versicherten sie uns, dass sie nach ihrer Reise in die USA wieder zu uns kommen würden, um mehr über diesen Jeschua und seine Vergebung zu erfahren.“

 

Absolutes Gottvertrauen

Der Kreuzestod von Jesus ist ein menschlich schwer einzuordnendes Ereignis. Ohne das Kreuz jedoch wäre Jesus lediglich ein weiterer Philosoph gewesen. Erst die Dornenkrone, die Nägelmale und die Auferstehung haben ihn zum Messias, zum Licht der Welt (Jes. 42,6-7), gemacht. Durch seinen Gehorsam bis ans Kreuz demonstrierte er das bedingungslose Gottvertrauen in allen Lebenslagen. Er rebellierte nicht gegen Gottes Anweisungen, ganz im Gegensatz zu uns übrigen Menschen. Adam und Eva waren die Ersten, welche Gottes Wort und seiner Führung nicht vertrauten. Seither ist in uns Menschen das Bestreben, unabhängig von Gott zu leben.

 

Ein menschliches Opfer

Während einer Synagogenführung wurde uns die Geschichte von Abraham erzählt. Als es um die Opferung von Abrahams Sohn Isaak ging, meinte der Führer: „Gott hat Abraham einen Widder geschickt. Darin sehen wir, dass Gott keine menschlichen Opfer möchte.“ Als Christen verstehen wir die Geschichte anders. Für uns birgt sie einen Hinweis auf das vollkommene Opfer in Jesus, dem Messias.

 

Karfreitag

Durch die Geißelung halb tot gepeitscht, konnte Jesus sein Kreuz kaum mehr tragen. Der römische Hauptmann und seine Soldaten begleiteten ihn und die zwei Verbrecher. Eine große Menschenmenge folgte ihnen hinterher. Sie wollten sich das Schauspiel der Hinrichtung nicht entgehen lassen. Auch eine große Schar von Jüngern und namentlich auch Jüngerinnen waren darunter (Mt. 27,55-56). Sie konnten nicht fassen, was gerade passiert war. Wie konnte Gott so etwas zulassen?

 

Die Deutung von Jesus

Jesus erklärte dies Nikodemus einige Jahre zuvor so (Joh. 3,14-17): „Du weißt doch, wie Mose in der Wüste eine Schlange aus Bronze an einem Pfahl aufrichtete, damit jeder, der sie ansah, am Leben blieb. Genauso muss auch der Menschensohn erhöht werden. Jeder, der ihm vertraut, wird das ewige Leben haben. Denn Gott hat die Menschen so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn für sie hergab. Jeder, der an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen, sondern das ewige Leben haben. Gott hat nämlich seinen Sohn nicht zu den Menschen gesandt, um über sie Gericht zu halten, sondern um sie zu retten.“ Als Jesus durch das Stadttor hinaus wankte, beherrschte ihn wahrscheinlich nur der eine Gedanke, dass er durch diesen Tod eine verlorene Menschheit retten wird. Einen Monat zuvor hatte er seinen Jüngern erklärt: Der Menschensohn ist gekommen, dass er „sein Leben gebe zu einer Erlösung für viele“ (Mt. 20,28). Am Vorabend seines Todes gab Jesus die Erklärung: „Dies ist mein Blut, mit dem der neue Bund zwischen Gott und den Menschen besiegelt wird. Es wird für euch zur Vergebung der Sünden vergossen“ (Lk. 22,20).

 

Symbolik

Hier regt sich der Widerstand vieler Menschen. Wie kann Jesus nur so etwas sagen, steht doch in 3. Mose 7,26-27, dass wir kein Blut essen sollen und dass jeder, der solches tut, sterben muss. Doch Jesus gab seinen Jüngern nicht Blut zu trinken, sondern Wein mit einer symbolischen Deutung. Es geht also mehr um die Botschaft dahinter, dass wir sein stellvertretendes Sterben persönlich in Anspruch nehmen müssen und es Teil von uns werden soll. Wir erhalten dadurch Kraft für unser Leben, genauso wie Speisen unserem Körper Energie zuführen.

 

Grund des Leidens

Jesaja schrieb vom Gottesknecht, dass er sein Leben als Schuldopfer geben wird und dadurch Menschen leben und ihm nachfolgen werden (Jes. 53,10). Doch mitten im Kreuzesgeschehen blieb das wie verborgen. Einige Frauen von Jerusalem hatten aufrichtiges Mitleid mit Jesus (Lk. 23,27). Es tat Jesus gewiss wohl, unter so viel Hass auch herzliche Anteilnahme zu erfahren. Doch er musste diese gutgemeinten Gefühle zurückweisen. Denn die Frauen Jerusalems befanden sich selbst in einer bedauerlicheren Situation. So sagte er zu ihnen (Lk. 23,28): „Weint nicht über mich, ihr Frauen von Jerusalem! Weint über euch und eure Kinder!“ Nicht Jesus war bemitleidenswert, sondern wir selber. Er brauchte das Mitleid nicht. Den wahren Sinn von Karfreitag haben wir erst erfasst, wenn wir begreifen, dass wir selbst der Inhalt seines Leidens sind. Was er tat, geschah für uns.

 

Eine Liebeserklärung

Das Kreuz ist die größte Liebeserklärung Gottes an die Menschen (Joh. 3,16). Jesaja sagte (Jes. 53,5): „Er wurde blutig geschlagen, weil wir Gott die Treue gebrochen hatten; wegen unserer Sünden wurde er durchbohrt. Er wurde für uns bestraft – und wir? Wir haben nun Frieden mit Gott! Durch seine Wunden sind wir geheilt.“ Jesus sagte am Vorabend seines Todes (Joh. 15,13): „Niemand liebt mehr als einer, der sein Leben für die Freunde hingibt.“

 

Die Ehre Gottes

Jesus hat am Kreuz die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes aufgezeigt und so den Weg frei gemacht für Gnade und Vergebung (Röm. 3,25-26). Das Geschehen von Golgatha möchte das menschliche Herz verändern. Die Folge der Sünde wird uns vor Augen gemalt. Wäre unser Ungehorsam gegenüber Gott straflos geblieben, würden wir in unserem von Gott losgelösten Verhalten nur bestärkt. Sünde wäre belanglos. Könnten wir unsere Schuld durch eine Gegenleistung begleichen, dann wäre Gott käuflich geworden. Man könnte dann einfach die Schuld mit einem Opfer oder einer guten Tat begleichen. Da Jesus schuldlos starb (Hebr. 4,15), hatte der Tod keine endgültige Macht über ihn – und mit ihm über alle, die ihm ihr Leben anvertraut haben. Indem wir den Tod Jesu stellvertretend für uns annehmen, erkennen wir die Heiligkeit Gottes und die Konsequenzen unseres Ungehorsams an. Statt uns mit guten Taten zu rechtfertigen und die Sünde zu verdecken, verliert so die Sünde in uns die Macht, weil wir sie bekennen (1. Joh. 1,9). Durch das Kreuz hat der Mensch die Möglichkeit, seine Schuld und die Heiligkeit Gottes anzuerkennen (2. Kor. 5,18-21). Bereits König David erkannte seine Sündhaftigkeit im Angesicht von Gottes Heiligkeit (Ps. 51,6).

 

Eine bewusste Entscheidung

Der Tod Jesu ist nichts Passives. Im Hebräerbrief steht, dass Jesus durch sein Leiden den absoluten Gehorsam gelernt hat (Hebr. 5,8). Einmal sagte Jesus (Joh. 10,18): „Niemand nimmt mir mein Leben, ich gebe es freiwillig. Ich habe die Macht und die Freiheit, es zu geben und zu nehmen. Das ist der Auftrag, den mir mein Vater gegeben hat.“ Im Gehorsam bis ans Kreuz demonstrierte Jesus das bedingungslose Gottvertrauen. Als leidender Messias versteht er jede Lebenslage eines Menschen.

 

Das Passahlamm

Das alles geschah am jüdischen Passahfest (Joh. 19,14). Nach 1. Korinther 5,7 und Jesaja 53,7 ist Jesus als Messias das wahre Passahlamm. Johannes der Täufer sagte: „Siehe, das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde hinweg trägt“ (Joh. 1,29). Das Passahfest wird gefeiert in Erinnerung an die Befreiung des Volkes Israel aus der Sklaverei in Ägypten. Da der Pharao die Juden nicht ziehen lassen wollte, ließ Gott eine Reihe von Katastrophen über Ägypten hereinbrechen. In der letzten dieser Plagen starben alle ältesten Söhne. Gott gab dem jüdischen Volk den Auftrag, ein makelloses Lamm zu schlachten und dessen Blut an ihre Türpfosten zu streichen (2. Mo. 12,5-7). Das Blut befreite in jener Nacht das jüdische Volk vom Gericht Gottes und zugleich aus der Sklaverei. Nach dem Gesetz von Mose werden fast alle Dinge durch Blut gereinigt. Ohne Blutvergießen gibt es keine Vergebung (Hebr. 9,22; 3. Mo. 17,11). Indem wir Jesus als das wahre Passahlamm anerkennen, werden wir aus der Sklaverei der Macht des Bösen befreit und erleben die Bewahrung vor dem Gericht Gottes (Joh. 3,18).

Viele Menschen kennen nur die eine Seite der Wirkung des Blutes, die Vergebung ihrer Sünden, nicht aber die Befreiung von der Macht der Sünde. In der rechten Anwendung vom Blut Jesu liegen die Errettung und das Leben. Wir leben nicht mit Gott, um Vergebung zu erhalten, sondern wir leben aus Dankbarkeit mit Gott, weil er uns in Jesus vergeben und uns als seine Kinder angenommen hat (Joh. 1,12). So wie es Jesaja sagte: „Doch er wurde blutig geschlagen, weil wir Gott die Treue gebrochen hatten; wegen unserer Sünden wurde er durchbohrt. Er wurde für uns bestraft – und wir? Wir haben nun Frieden mit Gott! Durch seine Wunden sind wir geheilt“ (Jes. 53,5).

 

 

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