amzi focus israel Web20202

Magisches Denken

Kabbala - die jüdische Geheimlehre

 

Von Hanspeter Obrist

In letzter Zeit war immer wieder davon zu lesen, dass sich mancher Prominenter der so genannten Kabbala zuwendet, wodurch diese zunehmend ins Zentrum des öffentlichen Interesses rückt. Die Kabbala (hebräisch Überlieferung) ist eine mystische Tradition und Geheimlehre des Judentums. In den 1960er Jahren wurde durch Rav Philip Berg die zweitausendjährige Tradition der Geheimlehre gebrochen, indem er das Wissen und die Weisheit der „lurianischen“ Kabbala vereinfacht der Öffentlichkeit zugänglich machte. Sein Sohn, Yehuda Berg, veröffentlichte dann diese im Buch „Die Macht der Kabbalah“ (2002). Die eigentliche Kabbala enthält einen geheimen Kommentar zu den fünf Büchern Mose und Schriften über das Wesen Gottes. Kabbalisten sind der Überzeugung, der Ursprung der Lehre stamme von Abraham und Mose.

 

Die Kabbala und die Bibel

Kabbalisten verstehen die gesamte Bibel als eine einzige komplexe Codeschrift, die der Entschlüsselung und tiefer gehenden Klarstellung bedarf. Bereits vor über 2000 Jahren sagte der Kabbalist Rabbi Schimon Ben Jochai, jeder, der die Bibel wörtlich nimmt, sei ein Narr. Nach Aussagen der Kabbalisten hätten sich Wissenschaft und Religion bisher feindselig gegenüber gestanden, weil die Bibel immer wörtlich genommen wurde. Moses Ben Nachman erklärte bereits vor etwa 800 Jahren, die sechs Schöpfungstage hätten nicht das Geringste mit unserer Vorstellung von Zeit zu tun, sondern seien vielmehr Symbol für die Vereinigung der sechs Dimensionen zu einer einzigen. Als sich das Rote Meer teilte, sei es auch nicht Gott gewesen, der dieses Phänomen bewirkte. Laut den Kabbalisten spaltete sich das Rote Meer erst, als das Wasser den Israeliten bereits bis zu den Nasenlöchern reichte. Und als sie es zu schlucken begannen, glaubten sie fest an einen guten Ausgang ihrer misslichen Lage. Denn was wir uns wünschen und wollen, das werden wir gemäß Kabbala auch bekommen. Wer echte Wunder erleben wolle, müsse allen Zweifel am positiven Ausgang der Dinge aus seinem Kopf verbannen. Als Mose das Rote Meer teilte, bediente er sich angeblich einer äußerst mächtigen spirituellen Technik in Verbindung mit der Kraft der Gewissheit.

 

Die Macht der hebräischen Buchstaben

Nach der Kabbala wird der Mensch zum Schöpfer der eigenen Erfüllung. Spiritualität habe nichts damit zu tun, mit Gott zu kommunizieren. Vielmehr gehe es darum, dass der Mensch immer besser werde. Wie viele östliche spirituelle Traditionen lehrt auch die Kabbala, dass jeder von uns Gepäck aus früheren Leben mit in die Welt bringt. Die Seele sei unsterblich, aber sie erreiche das himmlische Glück erst dann, wenn sie Vollkommenheit erlangt hat. Dazu seien aufeinander folgende Verpflanzungen der Seele in mehrere Körper nötig. Es gehe darum, im jetzigen Leben unsere Lektionen zu lernen und Prüfungen zu bestehen, um sie nicht in der Zukunft wiederholen zu müssen. Die negativen Eigenschaften des Menschen bieten ihm die Chance, eine authentische Veränderung seines Charakters herbeizuführen.

Die Lehre vertritt des Weiteren die Ansicht, dass von den hebräischen Buchstaben eine magische Veränderungskraft ausgeht. Wer über diese Buchstaben oder die 72 kabbalistischen Namen Gottes in ihrer unterschiedlichen Abfolge meditiere oder sie auch nur visuell erfasse, könne damit eine Fülle spiritueller Kräfte aktivieren. Der wahre innere Wandel eines Menschen werde durch die Kraft der hebräischen Buchstaben hervorgerufen. Auch der Sohar (kabbalistisches Buch) bringe Segen und Schutz wie auch echte Heilung und Erfüllung dem, der ihn besitzt.

 

Geheimlehre

Auch wenn die Kabbala heute moderner und offener daherkommt, bleibt sie im Wesentlichen eine Geheimlehre. Viele ihrer Inhalte werden weiterhin für Außenstehende unzugänglich sein. So schreibt Sedir (zitiert in „Die Kabbala“ von 1903), dass es ihm nur erlaubt sei, einige allgemeine Grundsätze weiterzugeben und dass alle Bemühungen durch den Beistand eines Schutzgeistes gekrönt würden, der durch beständiges Anrufen und die Würdigkeit des Jüngers gewonnen wird. So stellt sich die Kabbala als eine Mischung aus geheimem Wissen, magischen Praktiken und positivem Denken dar. Sie lässt den Menschen fast zu Gott werden und geht von magischen Wirkungen aus.

 

Der Weg zu Gott

Anstatt in einer Beziehung zu Gott zu stehen und ihm zu dienen, macht sich der Mensch die Kräfte der unsichtbaren Welt zu Diensten. Dabei wird Gott entpersonifiziert und die Bibel zu einem magischen Buch. Doch Jesus zeigte einen anderen Weg zu Gott auf: „ICH bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Joh. 14,6).

 

 

zurück

 

Diesen Artikel drucken