|
Wir entschieden uns für die, unserer Meinung nach, sicherere Variante. „Alles halb so schlimm“, sagte John. „Ich krieche zuerst durch und sehe mir die Sache an.“
Obwohl er versuchte sich nichts anmerken zu lassen, spürte ich, dass auch er nervös war. Die Felsen waren vom Regen nass und glitschig geworden. Während ich John um die Ecke und damit aus meinem Blickfeld verschwinden sah, klopfte mir das Herz bis zum Hals.
„Ich hab’s geschafft! Es ist kein Problem“, rief er zurück. John kroch wieder zu mir herüber und schleifte beim zweiten Durchgang seinen Rucksack hinter sich her – kein leichtes Unterfangen auf der rauen Felsplatte. Ich hörte die Steine unter seinen Knien knirschen und dann … ein dumpfer Schlag! Eine Wasserflasche hatte sich selbständig gemacht und rollte den Hang hinunter. Einige Meter unter uns kam sie kurz auf einem Felsvorsprung zum Stehen, um gleich darauf in den Abgrund zu stürzen.
„Macht nichts“, sagte John. „Wir haben ohnehin zu viel Wasser mitgenommen. Nun müssen wir weniger Ballast tragen!“
John durchkroch die niedrige Passage ein drittes Mal und zog meinen Rucksack langsam hindurch. Dann war ich an der Reihe. Wenn John es mit dem Gepäck geschafft hatte, würde ich es ohne Rucksack auch schaffen.
„Immer schön nach vorne schauen“, sagte ich mir, „nur ja nicht nach unten sehen.“ Die gesamte Strecke über den Felsabsatz hinweg tastete ich mich zentimeterweise vorwärts und brachte es irgendwie fertig, in einer Hand auch noch unsere zwei Paar Wanderstöcke zu balancieren.
Als wir schließlich das obere Ende der Felswand erreicht hatten, folgten wir einem Höhenpfad am Rand des Canyons.
„Sei vorsichtig auf diesen schlüpfrigen Felsen“, warnte mich John. Ich schob einen Fuß vor den anderen und richtete mein Augenmerk auf den Weg.
|