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Wer ist die „Hamas”?

 

Von Jurek Schulz

Die „Hamas“  ist in aller Munde – doch wer steckt denn eigentlich hinter dieser Bezeichnung? Durch den für die meisten unerwarteten Wahlsieg vom 25. Januar 2006 wurde die Hamas erneut weltweit ins Blickfeld der Medien gerückt. Von den insgesamt 132 Sitzen im palästinensischen Parlament werden nun 76 von Hamasabgeordneten besetzt. Die bis vor der Wahl regierende „Fatah“-Partei von Präsident Mahmoud Abbas verlor mit nur 43 Sitzen ihre Mehrheit.

„Hamas“ ist eine Abkürzung und steht für „religiöse Eiferer für den islamischen Widerstand“. Die Bewegung erwuchs aus der Organisation der „Muslimbrüder“ und wurde während der ersten Intifada im Dezember 1987 in Gaza durch den blinden und querschnittgelähmten Scheich Ahmed Jassin (1932–2004) gegründet. Dieser wurde am 22. März 2004 durch die israelische Armee getötet. Die Organisa-tion „Muslimbrüder“, ist als Jugendvereinigung „Gemeinschaft der Muslimbrüder“ 1928 in Ägypten gegründet worden. Sie ist streng hierarchisch organisiert und strebt eine islamische Ordnung in Gesellschaft und Staat an sowie die Wiederherstellung eines islamischen Großreiches. Daher ist sie strikt gegen jeden westlichen Einfluss. Finanziert wird sie primär von Exil-Palästinensern, Saudi-Arabien und Kuwait, aber auch vom Iran, dem Sudan und Jemen.

 

Ticket ins Paradies

Der als „spiritueller Führer“ geltende Jassin (oft auch „Yassin“ geschrieben) ideologisierte die Selbstmordattentate auf Israel als religiöse Forderung des Islams. Diese Form des „Märtyrertums“ wurde zu einem Ideal islamischen Widerstands gegen Israel. Der Scheich legte den Koran wie folgt aus: Wer sich in die Luft sprenge und viele Israelis mit in den Tod reiße, komme ins Paradies mit sicheren Plätzen für die ganze Familie. Zudem würden ihn 70 Jungfrauen erwarten – und ein allemal besseres Leben als jenes unter israelischer Besatzung. So sind seit 1993 systematisch Hunderte von Israelis, Männer, Frauen und Kinder, ermordet worden.

 

Hamas heute

Die Hamas will auf dem Boden Israels einen islamischen Gottesstaat mit islamischer Gesetzgebung errichten, nach dem Vorbild anderer islamischer Länder. Ismael Hanija (auch „Haniyeh“) ist der neue Anführer der Hamas. Er wurde 1962 in Gaza geboren. Bis 1987 studierte er an der islamischen Universität Gaza-Stadt arabische Literatur. Während der ersten Intifada, an der er sich auch beteiligte, wurde er 1989 zu drei Jahren Haft verurteilt. Anschließend wurde er Dekan der islamischen Universität Gaza-Stadt und 1997 persönlicher Sekretär von Scheich Jassin. Gleichzeitig war er der Verbindungsmann zwischen der Hamas und der PLO.

 

Wahlsieg

Nach dem Wahlsieg im Januar stellte sich vielen Beobachtern die Frage nach dem „Warum“. Es scheint, dass viele Menschen in den palästinensischen Autonomiegebieten die Hamas nicht gewählt haben, weil sie einen „islamischen Gottesstaat“ wollen. Es ging ihnen vielmehr darum, ihrer Unzufriedenheit mit der Fatah-Partei Ausdruck zu verleihen. Die Fatah, bis November 2004 unter der Leitung von Jassir Arafat, hatte die Bevölkerung in vielen Bereichen im Stich gelassen. Viele Fatah-Politiker bereicherten sich selbst und lebten luxuriös, während das einfache Volk hungerte. Die Hamas hingegen gewann die Herzen und Stimmen der Menschen in den Palästinensergebieten vor allem deshalb, weil sie den Aufbau der sozialen Infrastruktur anstieß. So entstanden durch ihre Initiative Bildungseinrichtungen und Schulen für die Ärmsten, öffentliche Küchen sowie Krankenhäuser, in denen arme Menschen sogar kostenlos behandelt werden. D.h., es ist vor allem die Hamas, die sich um diejenigen kümmert, die arm, krank oder alt sind.

 

Unsere Aufgabe

Wir müssen uns auch der Frage stellen, warum die lokalen Christen kaum Unterstützung von anderen Christen erhielten und deshalb nur sehr kleine Hilfsprojekte realisieren konnten. Wenn sich die Christen mehr um die arme Bevölkerung hätten kümmern können, wäre der Einfluss der Hamas nie so groß geworden. Doch das Gegenteil geschah. Viele Christen mussten auswandern, weil sie schlicht keine Lebensexistenz mehr hatten. Es sind nur noch wenige, die ausharren und stark unter Druck gekommen sind. Heute haben wir die Möglichkeit, ihnen beizustehen und sie zu unterstützen.

 

Falls Sie mehr über die Situation in Israel und den palästinensischen Gebieten erfahren möchten, setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung. Jurek Schulz kommt gerne zu einem Vortrag in Ihre Gemeinde.

 

 

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