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Gift im Schokoladenbonbon

Von Jurek Schulz

 

Auf der jüdischen Homepage HaGalil.com bezeichnet der liberale Gemeinderabbiner Dr. Chaim Z. Rozwaski von Berlin die messianische Bewegung als „Gift im Schokoladenbonbon“.

 

Rabbi Rozwaski sagt: „‚Messianische Juden‘ sind eine Bewegung, die entweder auf Ignoranz, auf Böswilligkeit oder der Absicht, das jüdische Volk zu zerstören, basiert, möglicherweise kommen auch alle drei Komponenten zusammen. … An Jesus zu glauben hieß schon damals und heißt bis heute, das Judentum abzulehnen. Jude zu sein, hieß bereits damals und heißt bis heute, Jesus und das Christentum zurückzuweisen. … Das ‚Messianische‘ Judentum ist eine böswillige Bewegung, weil sie gleichermaßen Judentum und Christentum entstellt und die Wahrheit über beide Religionen verdreht. Christentum ist in seinem Kern die Verneinung des Judentums, so wie das Judentum in seinem Wesen die Verneinung des Christentums ist“1.

 

Der Überrest aus Israel

Ist die messianische Bewegung tatsächlich eine Verirrung zwischen Kirche und Synagoge? Oder ist sie der Anbruch eines richtungsweisenden besonderen Gnadenhandelns Gottes an Israel zum Zeichen für das kommende messianische Zeitalter? Welche Hinweise haben wir in der Bibel? Der Apostel Paulus gebraucht den Begriff „Überrest aus Israel, der gerettet wird“, um auf Juden hinzuweisen, die in Jesus den Messias erkannt haben (Röm. 9,27). An anderer Stelle sagt er: „In der jetzigen Zeit ist ein Rest nach Auserwählung der Gnade entstanden“ (Röm. 11,5). Auch hier geht es um Juden, die in Jesus den jüdischen Messias erkannt haben.

 

Die Entstehung des Restgedankens

Vier verschiedene hebräische Ausdrücke finden wir zum Begriff „Rest oder Überrest“ in der hebräischen Bibel, dem Alten Testament. Der Theologe Herntrich macht deutlich, dass es bei der Frage nach der Entstehung des Restgedankens um das Zeugnis von der Wirklichkeit des Gottes geht, der in seinem Handeln den „Rest“ festsetzt2.

Dies wird bei der Familie von Noah angedeutet. Nur seine Familie wird gerettet. Von Noah hieß es: Aber er fand Gnade vor dem Herrn. Er war ein frommer Mann und ohne Tadel zu seinen Zeiten; er wandelte mit Gott (vgl. 1. Mo. 6,8-9). Daher errichtete Gott nur mit Noah einen Bund und vernichtete alles andere. Wer mit Gott lebt, ist für Gott wichtig. Er kann aus Katastrophen als ein kleiner Überrest gerettet werden.

 

Der Rest entsteht durch Gottes Handeln

Der „Rest“ ist Resultat des Handelns Gottes. Mit der Entstehung des jüdischen Volkes durch die Erwählung Abrahams, Isaaks und Jakobs erhielt dieses Volk eine neue Bestimmung. Der Heilige Israels ist sein Retter (Jes. 43,3). Jesajas Sohn Schear-Jaschub wird zu einem Beispiel des Handelns Gottes. Sein Name bedeutet wörtlich: „Ein Rest kehrt um“ (Jes. 7,3). Immer wurden inmitten des jüdischen Volkes die Glaubenden als ein Rest verstanden, der zum starken Gott umkehrte.

Über die Rettung der Familie Jakobs vor der großen Hungersnot sagt Josef: „Gott, der Herr, hat mich vor euch her gesandt, um euch einen Rest zu setzen auf Erden und euch am Leben zu erhalten für eine große Rettung“ (1. Mo. 45,7).

In 1. Könige 19,9-18 lesen wir, wie Elia aufgrund seiner Einsamkeit als Gläubiger verzweifelt ist. Da offenbart Gott ihm: „Ich will 7000 in Israel übrig lassen, alle, die sich nicht vor Baal gebeugt haben“ (1. Kön. 19,18). Hier sehen wir, dass ein „Überrest“ der wahrhaft Gläubigen vorhanden war.

 

Der Rest und der Messias

Wer glaubt, gehört zum Rest. Wer zum Rest gehört, glaubt (Jes. 7,9).

Doch worauf zielt der Glaube an Gott? Auf was hofft Jesaja? Er hofft auf den Sohn Immanuels, d.h. Gott mit uns. „Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter. Man nennt ihn wunderbarer Ratgeber, starker Gott, Vater der Ewigkeit, Fürst des Friedens. Groß ist die Herrschaft. Der Friede wird kein Ende haben auf dem Thron Davids und über seinem Königreich“ (Jes. 9,5-6).

Der Glaubende wendet sich zu „El Gibor“, dem starken Gott, der sich im Kind offenbart (Jes. 9,6; 10,21). Paulus macht in seiner Argumentation in Römer 9–11 deutlich, dass er diese Verheißung für das jüdische Volk in der messianischen Bewegung angebrochen sieht. Den Glaubenden wird das Königtum unter der Herrschaft des Messias gegeben (Micha 4 und 5). ྒ

 

1 http://juden.judentum.org/judenmission/messianische-juden.htm / 12.01.2010.

2 Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, 1990, Band IV S. 205, 10.

 

 

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