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Schofar Chesed Jeschua

Mischa Braker
Mischa Braker ist Evangelist und Mitarbeiter der «Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel». Er ist verheiratet mit Tamara und wohnt in Hannover. Dort hat er die messianische Gemeinde «Schofar Chesed Jeschua» aufgebaut.

 

In der ehemaligen Sowjetunion

Ich wurde 1946 in der ehemaligen Sowjetunion in eine jüdische Familie hineingeboren. Meine Eltern und Verwandten waren nicht sehr religiös, doch ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir gemeinsam die jüdischen Feste feierten. Besonders eindrücklich war für mich ein Fest, bei dem mein Großvater über meinem Kopf ein Huhn hin und her schwang, was ich natürlich sehr lustig fand. Heute weiß ich, dass dieser Brauch am Nachmittag vor Jom Kippur, dem Vesöhnungstag, üblich ist, jedoch nichts mit der Heiligen Schrift zu tun hat.

Wir waren die einzige jüdische Familie in unserer Straße. Trotzdem hatten wir zu unseren Nachbarn ein gutes Verhältnis. Meine Mutter gab zahlreichen Nachbarskindern Englischunterricht in der Schule, und viele von ihnen kamen auch einfach so gerne zu uns nach Hause – nicht zuletzt, weil meine Großmutter sie mit jüdischen Spezialitäten und Süßigkeiten verwöhnte.

Nach der Schule wurde ich Musiker und Fotograf, zwei sehr interessante Berufe. Meine Arbeit hat mir immer sehr viel Freude gemacht. Doch irgendwie stellte sich mir gegen Ende der 1980er Jahre immer wieder folgende Frage: Was ist der Sinn meines Lebens? Obwohl ich eine liebe Frau, nette Kinder, gute Freunde und eine Arbeit hatte, war ich innerlich unzufrieden. Eine große Leere machte sich in mir breit. Ich suchte eine Antwort in verschiedenen philosophischen Büchern. Doch das brachte mich nicht weiter.

 

Ich suchte etwas Bestimmtes

Dann befasste ich mich mit fernöstlichen Religionen. Doch diese riefen bei mir nur inneren Protest hervor. Ich suchte etwas Bestimmtes, das ich nicht finden konnte. Das machte mich innerlich sehr unruhig, und mein Unbehagen wuchs mehr und mehr. Eines Tages begegnete ich meiner alten Nachbarin. Ich fragte sie, wohin sie so oft fahre. Sie antwortete mir: «Zum Gebetshaus.» Ich wusste nicht, was das war, und fragte nach. Sie erzählte mir, dass sie dort die Bibel lesen und beten würde. Das war für mich etwas Neues. Später erwähnte ich einmal, dass ich Jude war. Darauf sagte sie: «Oh, du bist Jude. Ich lese dein Buch und glaube an deinen Gott.» «Was ist mein Buch?», wollte ich wissen. Sie antwortete: «Die Bibel.» Sie brachte mir dann ein Neues Testament. Ich habe es gelesen, jedoch nicht verstanden, was diese Hinweise auf das Alte Testament sollen. So bat ich um eine ganze Bibel. Ich schlug diese auf und begann darin zu lesen. Und obwohl ich die Bibel noch nicht kannte, fühlte ich tief in mir, dass hier stand, was ich gesucht hatte. Ich konnte gar nicht genug von diesem Buch bekommen. Aus der Bibel erfuhr ich, dass mein Volk das auserwählte Volk Gottes ist, um allen Völkern das Heil Gottes für die Menschen zu verkünden. Ich lernte die Geschichte meines Volkes kennen und las, dass mein Volk gegen Gott gesündigt hatte. Ich sah, dass das jüdische Volk schon lange auf einen Messias wartete. Irgendwann las ich in den Propheten, dass Gott mit meinem Volk einen ewigen Bund schließen wird (Jer. 32,40). War der Bund mit Abraham oder Mose etwa nicht ewig?

Die Antwort auf diese Frage fand ich im Neuen Testament. Dort stand, dass Gott seinen Sohn in die Welt sandte, um den Neuen Bund aufzurichten. Wer an ihn glaubte, sollte im Neuen Bund stehen und das ewige Leben haben. Was sollte ich nun tun? Ich erkannte, was es heißt, Jude zu sein. Dies ist nicht nur eine Volkszugehörigkeit, sondern eine göttliche Berufung. Ich erkannte, dass ich ein Sünder war, und dass der Messias Jeschua für mich gestorben und auferstanden war. Deshalb betete ich um die Vergebung meiner Sünden. Jeschua schenkte mir ein völlig neues Leben, gab mir ein neues Herz, inneren Frieden und echte Freude.

Mein ganzes Leben lang hatte ich gestottert. Ich fühlte, dass ich ein neuer Mensch war. Nach einigen Tagen bemerkte ich auf einmal, dass ich nicht mehr stotterte. Damals wusste ich noch nicht, dass Gott uns heilen kann. Er hat dies ohne meine Bitte getan. Ich nahm die Taufe (Twila) an, und auch meine Frau Tamara fand ein Jahr später zum Glauben an den Messias.

Mir wurde klar, dass Gott mich dazu berufen hatte, dem jüdischen Volk das Evangelium weiterzusagen. Damit begann ich 1991 in meiner Stadt in der Ukraine. 1993 reisten wir nach Deutschland aus, und seit 1995 verkündige ich als Mitarbeiter der «Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel» (amzi) meinem Volk in Deutschland Gottes Wort. Der Feigenbaum blüht auf! Im Juni 1998 fand meine 80-jährige Mutter und nach weiteren sieben Tagen auch meine jüdische Tante den Weg zum Messias. Durch meinen Glauben an den Messias bin ich Jude geblieben. Ich feiere die Feste des Herrn und den Schabbat nach jüdischer Tradition. In den Festen kann man Jeschua erkennen. Ich weiß, dass Gott meinem Volk irgendwann die Augen öffnen wird, damit sie IHN, den sie durchbohrt haben, erkennen werden.

Heute lebe ich als Evangelist in Hannover. Dort leite ich zusammen mit den Ältesten die messianische Versammlung «Schofar Chesed Jeschua». Dieser Name sagt aus, was wir glauben: Gottes Ruf der Gnade in Jeschua. Wir freuen uns über die Einheit unter uns Ältesten, einem messianischen Juden, einem Deutschen und einem Russlanddeutschen.

 

Interview mit Mischa Braker,

Leiter der jüdisch-messianischen Versammlung «Schofar Chesed Jeschua» in Hannover

 

Was ist das Ziel eurer Versammlung?

Ich sehe ein zweifaches Ziel in unserer Arbeit. Einmal wollen wir die Gute Nachricht vom jüdischen Messias Jeschua unter Juden weitergeben. Zum anderen wollen wir ein gutes Beispiel dafür liefern, dass messianische Juden und deutsche Christen zusammen leben können. Das meinte Paulus ja, als er im Epheserbrief schrieb, dass der «Zaun», der Juden und Nichtjuden getrennt hat, durch Jeschua niedergerissen ist. Die Zusammenarbeit zwischen jüdischen und deutschen Geschwistern war in der Kirchengeschichte lange nicht möglich und wurde durch die jüngste deutsche Geschichte fast ganz unmöglich gemacht. Jetzt findet das – wenn auch in kleinen Verhältnissen – hier im Miteinander mit der FeG Hannover, deren Räume wir benutzen, statt. Wir geben sozusagen «Anschauungsunterricht».

 

Das klingt wunderbar – nur wird das in der Praxis sicher auch Schwierigkeiten mit sich bringen. Beide – Juden und deutsche Christen – haben ja ihre eigene Geschichte und Tradition, sozusagen ihre eigene Identität. Kann da ein enges Miteinander überhaupt Wirklichkeit werden, ohne dass die beiden irgendwie ihre Identität preisgeben müssen?

Gut – wir werden niemals zusammen eine Gemeinde sein. Vielleicht hilft ein Bild, das besser zu verstehen: Beide Gemeinden sind in ihrem eigenen Bus unterwegs – aber auf einem gemeinsamen Weg und zu einem gemeinsamen Ziel. Im einen Bus geht es so zu, wie es dessen Mitfahrende gewohnt sind. Das ist eben ihre Tradition. Im anderen Bus herrscht eine andere Tradition. Manchmal sollten wir auch von einem Bus in den anderen umsteigen. Aber wir bleiben beide sozusagen grundsätzlich in dem «Bus der eigenen Identität». Wir sind in Christus eins, doch unsere Verschiedenheit hört damit nicht auf. Sie muss auch gar nicht aufhören.

 

Das merkt man ja schon allein daran, dass ihr als jüdisch-messianische Versammlung am Freitagabend eure Schabbat-Gottesdienste feiert, während die FeG ihre Gottesdienste am Sonntagmorgen feiert. Ihr habt eure Kultur (Musik, Sprache, Umgangsart), so auch die FeG. Ihr feiert die Feste nach jüdischer Tradition, und die FeG orientiert sich an der christlichen Tradition. Dennoch – um dein Bild zu gebrauchen – warum sollen die beiden Busse an den gleichen Raststätten anhalten, damit ihre Mitfahrer aussteigen und Gemeinschaft haben können?

Weil wir voneinander lernen können. Die nichtjüdischen Christen können in der Begegnung mit messianischen Juden wieder zu ihren Wurzeln vordringen. Sie können lernen, die Bibel mit jüdischen Augen zu lesen. Denn ohne die Kenntnis des jüdischen Kontextes wird man die Mission Jesu nicht voll verstehen. Sicherlich können wir auch voneinander lernen, was unsere unterschiedliche Mentalität und Kultur angeht. Wir Juden können von den Deutschen etwas von ihrer«Ordnungsliebe» lernen, von ihrer Systematik und Zielstrebigkeit.

 

Was wünschst du dir für das Miteinander von messianischen Juden und Christen?

Ich wünsche mir erstens, dass eine neue Liebe und ein neues Interesse am Volk Gottes entstehen, die sich auch im Gebet für Israel niederschlagen. Wobei wahre Liebe für Israel immer auch heißt, dafür zu beten, dass Israel Buße tut und Jeschua als Messias erkennt. Deswegen gilt es, auch Juden zur Umkehr zu Jeschua zu rufen. Zweitens wünsche ich mir, dass die Begegnungen zwischen messianischen Juden und Christen neu aufleben und Gestalt gewinnen. Vielleicht sollten wir uns alle an dieser Stelle fragen: «Wo kann ich persönlich auf den anderen zugehen?» Und drittens wünsche ich mir, dass wir messianischen Juden mehr deutsche Lieder singen lernen. Wir haben damit bereits in der Schabbat-Feier angefangen. Und vielleicht lernt ihr, im deutschen Gottesdienst vermehrt jüdisch-messianische Lieder zu singen.

 

 

Evangelist und Leiter von

Schofar Chesed Jeschua

Mischa Braker

Chemnitzer Strasse 30

30179 Hannover

Tel. 0174 812 41 04

E-Mail: braker@amzi.orgxxx (ohne xxx)

 

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