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Erweckung unter Drusen

 

Von Hanspeter Obrist

Die Drusen (offiziell „Din al-Tawhid“, „Religion der göttlichen Einheit“) sind eine um 1010 aus dem Islam entstandene Religionsgemeinschaft, die sehr abgeschieden und für sich lebt. Neben größeren Bevölkerungsgruppen in Syrien und im Libanon gibt es in Israel in rund 22 Dörfern 107’000 Drusen. Sie leben in den Bergen, auf dem Golan, dem Karmel und in Galiläa, und meistens mit Christen und Muslimen zusammen. Drusen sind oft einfache Leute, nur wenige haben eine höhere Ausbildung. Kinderreiche Familien sind unter ihnen häufig anzutreffen. Sie passen sich jeweils der politischen Regierung vor Ort an. In Israel unterstützen sie Israel, in Syrien Syrien. Sie hatten nie ein eigenes Land oder eine eigene Regierung. Die Drusen sind allgemein bekannt als mutige Soldaten.

 

Geheimwissen

Ihre Religion ist eine Geheimreligion, in deren eigentlichen Inhalt die Gläubigen in sechs Schritten eingeweiht werden. Druse ist, wer als Kind drusischer Eltern geboren wird. Weder Übertritt noch Austritt sind möglich.

Die Religionsgemeinschaft ist geteilt in „Unwissende“ und „Eingeweihte“. Die Eingeweihten sind daran zu erkennen, dass sie stets eine weiße oder schwarze Kopfbedeckung tragen und donnerstags an den nach Geschlechtern getrennten Gebetsversammlungen teilnehmen. Ihre Schriften dürfen nur von den Eingeweihten gelesen werden. Sie benutzen zwar Teile des Koran, erkennen ihn aber nicht als absolute Offenbarung an und lehnen Mohammed als Propheten ab. Die Drusen glauben an die Seelenwanderung von Mensch zu Mensch und glauben deshalb auch, dass Jesus Christus heute in einem anderen Menschen oder Propheten lebt. Ein weiterer Bestandteil ihrer Lehre ist, dass Jitro, der Schwiegervater des Mose, als Vermittler zwischen ihnen und Gott agiert.

Aufgrund all dieser besonderen Lehren kann man beim Glauben der Drusen nicht mehr nur von einer Richtung des Islam sprechen, sondern muss ihn als eigenständige Religion bezeichnen. Deshalb wurden die Drusen zu manchen Zeiten von den Muslimen verfolgt.

 

Drusen werden Christen

Die meisten Drusen kommen zum christlichen Glauben, nachdem ihnen Jesus im Traum erschienen ist. Viele erleben auch Heilungen und Wunder. Momentan gibt es rund 100 Familien, in denen Menschen zum Glauben an Jesus gekommen sind. 15 Familien besuchen regelmäßig einen Gottesdienst.

An Jesus gläubige Drusen haben oft unter Verfolgung von den eigenen Leuten zu leiden. Daher ist es verständlich, dass Menschen, die evangelistisch unter Drusen arbeiten, die Öffentlichkeit scheuen.

So wurden zum Beispiel einmal Kinder von Gläubigen von der Schule nach Hause geschickt. Als die Eltern sie zurückbringen wollten, erklärte der Schulleiter: „Ihr habt einen anderen Weg gewählt, jetzt müsst ihr die Konsequenzen selbst tragen.“

In einem anderen Fall war ein drusischer Polizist nach einem tätlichen Angriff auf einen Gläubigen nicht bereit, eine Anzeige aufzunehmen, da er Repressalien gegen seine eigene Person fürchtete.

Da die Drusen wie auch die anderen Religionsgemeinschaften in Israel in ihren Angelegenheiten eine eigene Gerichtsbarkeit haben, hat sich eine drusische Subkultur entwickelt, in der einem „Ausbrecher“ interne Sanktionen drohen. Wenn ein Druse zum Beispiel eine christliche Frau heiratet, wird er nicht mehr vom Scheich beerdigt. An Jesus Gläubige werden von der Gemeinschaft ausgeschlossen, und viele fürchten den Ehrenmord durch die eigene Familie. Etwa indem ein Familienmitglied, das Christ geworden ist, plötzlich vom Auto überfahren oder sein Haus angezündet wird.

 

Erste Drusenkonferenz für Jesusgläubige

70 Prozent der Drusen in Israel haben bereits eine Bibel, den Jesusfilm oder ein evangelistisches Traktat erhalten. Allmählich gibt es auch christliche Veranstaltungen, zu denen öffentlich eingeladen wird. Im Oktober 2005 besuchten rund 20 Personen die erste Konferenz für Drusen, die in Galiläa stattfand. Ein Druse war dazu sogar extra aus Holland angereist.

Obwohl die Drusen eigentlich der arabischen Bevölkerung nahe stehen, ist es schwierig, sie in arabische Gemeinden zu integrieren. Beide Seiten befürchten, es könnte negative Auswirkungen für die eigene Seite haben. Wir Christen sind aufgefordert, für die Drusen zu beten und sie zu unterstützen. Alle Spenden, die mit dem Vermerk „Drusen“ bei uns eingehen, werden direkt an die Mitarbeiter, die unter den Drusen arbeiten, weitergeleitet. Die amzi tritt hier als Mittler auf, da diese Missionare, aus den genannten Gründen, nicht an die Öffentlichkeit treten können.

 

 

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