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David Ben Gurion – der Gründungsvater Israels

 

Von Jurek Schulz

Am 16. Oktober 1886 kam David Grün, der später als David Ben Gurion berühmt werden sollte, in Plonsk, 65 Kilometer von Warschau entfernt, zur Welt. Bis zu seinem 19. Lebensjahr lebte er im „Judenviertel“ der Stadt. Von den Aussagen seines Großvaters, der ihn mit der alten jüdischen Geschichte vertraut machte, nahm er sich eines besonders zu Herzen: „Plonsk ist nicht mein richtiges Zuhause. Hier wohnen wir unter Fremden. Ich muss nach Israel.“ Bereits mit drei Jahren begann David Hebräisch zu lernen.

 

Seine Jugend

Eines Tages breitete sich die frohe Botschaft, der Messias sei gekommen, wie ein Lauffeuer unter der jüdischen Bevölkerung von Plonsk aus. Theodor Herzl (1860-1904), der Präsident und Begründer des politischen Zionismus, besuchte die Stadt. Ben Gurions Vater, ein Bewunderer Herzls, nannte ihn „Führer unseres Volkes, Sprecher unserer Nation“. Ben Gurion sagte später: „Aufgrund der äußeren Erscheinung Herzls war es für mich als kleinen Jungen nicht schwer zu glauben, dass er der Messias war. Ich war bereit, ihm in das Land meiner Väter zu folgen.“

Mit 17 Jahren begann sich Ben Gurion für die zionistische Arbeiterbewegung einzusetzen, und nur zwei Jahre später, 1906, wanderte er nach Israel aus. Dort schlug er sich in den ersten Jahren mit Gelegenheitsjobs durch und arbeitete in der Landwirtschaft.

 

Israels Staatsgründer und erster Premierminister

Ab 1910 arbeitete er als Journalist und benutzte fortan den Namen „Ben Gurion“ (Löwensohn). Vielseitig wie er war, studierte er in der Türkei und lernte dort Türkisch. 1912 heiratete er Paula Munweis, die bis zu ihrem Tod 1968 seine entscheidende Stütze war. Sie sagte einmal selbst: „Meine größte Aufgabe ist David gewesen.“

David Ben Gurion wurde 1935 Vorsitzender der Exekutive der Jewish Agency und setzte sich stark für die Staatsgründung Israels ein. Unmittelbar nach dem Ablauf der Mandatsherrschaft der Briten über Palästina sah er die Stunde gekommen. Sein Motto „Jetzt oder nie“ wurde der entscheidende Aufruf zur Proklamation des Staates Israel am 14. Mai 1948.

Zum Abschluss der Gründungsversammlung erklärte Ben Gurion: „Mit Zuversicht auf den Fels Israels setzen wir unsere Namen zum Zeugnis unter diese Erklärung.“

 

Der Bibelleser und Prophet

1962 hielt Ben Gurion vor der schwedischen Regierung eine regelrechte Bibelstunde ab. Angefangen bei den biblischen Verheißungen Gottes für Israel, über die trostreichen Worte der Propheten im Blick auf die Wiederherstellung Israels kam er schließlich auf die gegenwärtige Politik Israels zu sprechen.

Für sich selbst lehnte er die traditionell religiöse Praxis ab und schöpfte seine Kraft unmittelbar aus dem Lesen der Bibel. Dem Gottvertrauen der Propheten fühlte er sich eng verbunden.

Einem Journalisten gegenüber bekannte Ben Gurion, was er für das Wichtigste für Israel halte: „Dass jeder Jude seine Bibel kennt.“ Er selbst kannte auch das Neue Testament. In einem Interview signalisierte er seine Vergebungsbereitschaft im Blick auf die Vergangenheit. Darauf rief die Reporterin aus: „Aber das ist christliche Philosophie.“ Ben Gurion erwiderte freundlich: „Jesus war Jude.“

Seine Sekretärin sagte einmal einem guten Freund Ben Gurions, Prof. Marcinkowski aus Haifa, der ihm ein Neues Testament schenken wollte: „Er hat bereits eines. Es liegt auf seinem Schreibtisch, und er liest oft darin.“

 

Sein Messiasglaube

Im Zusammenhang mit der Staatsgründung sagte Ben Gurion im Frühjahr 1948: „Schon hören wir die Schritte des Messias in den Toren.“ Einmal wurde er öffentlich gefragt, ob er ein messianisches Reich des Friedens und der Gerechtigkeit auf Erden meine, wenn er von der Ankunft des Messias rede, oder ob er auf einen persönlichen Messias warte. Seine Antwort war: „Selbstverständlich auf den persönlichen Messias!“

Der amerikanische Journalist Lester Sumrall fragte ihn bezüglich des Messias sehr direkt, ob er meine, der Messias sei eine Idee, eine israelische Überlieferung oder eine wirkliche Person, die einmal kommen werde. Ben Gurion erwiderte: „Unser Volk muss erst in sein Land zurückkehren, und dann wird der Messias kommen.“ Dann fügte er hinzu: „Der Messias ist eine Person, die uns alle erlösen wird.“

Fast prophetisch erklärte er: „Israels zukünftige Entwicklung ruht auf den beiden Grundsteinen ‚Land und Buch’ – dem herrlichen Land und der heiligen Bibel.“

 

 

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