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Aufruhr in Nahost – die Chance zum Frieden?

Von Jurek Schulz und Catherine Meerwein

 

Es ging ein „Ruck“ durch die Welt, als die Revolution in Ägypten begann. Die Euphorie in der westlichen Welt ist groß. Ist sie gerechtfertigt?

Am 11. Februar 2011 war das Ziel der demonstrierenden Ägypter erreicht, Präsident Hosni Mubarak trat zurück. Bis zu zwei Millionen Menschen sollen am Freitag, den 18. Februar 2011, mit fröhlicher Musik den Sturz des „mubarakschen Systems“ bejubelt haben. Schon einmal wurde eine neue Ära für Ägypten auf dem „Platz der Befreiung“ (Midan at-Tahrir) gefeiert: Der Sturz der Monarchie am 23. Juli 1952 und die Proklamation Ägyptens als Republik.

Die „Festansprache zur Freitagspredigt“ am 18. Februar 2011 hielt ein radikaler islamischer Theologe, der Ägypter Yusuf al-Qaradawi. Nach 30 Jahren Exil ist dieser führende sunnitische Gelehrte nun in seine Heimat zurückgekehrt. Seine Bücher und Ansprachen erreichen regelmäßig Millionen von Lesern und Zuhörern. Bekannt ist sein Werk „Erlaubtes und Verbotenes im Islam“, in dem er u.a. die körperliche Züchtigung von Ehefrauen und die Todesstrafe bei „Abfall vom Glauben“ rechtfertigt. Daneben äußert er sich auch zum Holocaust, den er nicht leugnet. Er bezeichnet Hitler als eine „gerechte Strafe Allahs für die Juden“ und hofft auf die Vollendung von Hitlers Werk durch die Muslime. Für ihn sind selbst jüdische Frauen und Kinder nicht schützenswert.

 

Besorgnis

Die weltweite Euphorie über die „Revolutionen“ im Nahen Osten war groß, es wurde in Superlativen von der neuen Freiheit gesprochen. In diese Freude mischt sich Besorgnis: Wird die Freiheit, die Ägypten und andere Länder errungen haben, nicht zur Etablierung der Kräfte führen, die die Auslöschung Israels fordern?

Der nun erfolgte Dammbruch könnte für die religiösen Minderheiten in den betreffenden Ländern, deren christliches Erbe bis in die ersten Jahrhunderte zurückreicht, ebenso wie für Israel dramatische Folgen haben. Heute sind zwar fast alle islamischen Länder „judenfrei“1; mehr als eine Million Juden wurden in den letzten 70 Jahren durch Vertreibung und Zwangsenteignung in die Flucht getrieben. Doch was geschieht jetzt mit dem Staat Israel inmitten der muslimischen Welt?

 

Gericht und Verheißung

Wer in der Bibel nach Antworten sucht, stellt fest, dass die prophetischen Schriften nicht nur von der Wiederherstellung Israels sprechen, sondern auch für die Nachbarländer Israels bemerkenswerte Veränderungen voraussagen. So wird in Jeremia 48 Gottes Gericht über Moab prophezeit. Doch die Gerichtsbotschaft endet mit Gottes Zusage: „Aber in der letzten Zeit will ich das Geschick Moabs wenden, spricht der HERR. Das sei gesagt von der Strafe über Moab“ (Jer. 48,47). Das folgende Kapitel enthält zuerst die Ankündigung des Gerichts gegen die Ammoniter, die schließt mit den Worten: „Aber danach will ich wieder wenden das Geschick Ammons, spricht der HERR“ (Jer. 49,6). Am Ende dieses Kapitels wendet sich Gott an Elam und kündigt- sein Gericht an. Doch auch hier steht am Schluss die Verheißung: „Aber in der letzten Zeit will ich das Geschick Elams wieder wenden, spricht der HERR“ (Jer. 49,39).

Gott verspricht diesen Völkern also, „ihr Geschick zu wenden“. Dieser Begriff kommt sonst bei Jeremia nur im Zusammenhang mit der Wiederherstellung Israels vor, zum Beispiel in Kapitel 29. Dort ermutigt Gott durch Jeremia die Weggeführten in Babel: „Ihr werdet mich suchen und finden; denn wenn ihr mich von ganzem Herzen suchen werdet, so will ich mich von euch finden lassen, spricht der HERR, und will eure Gefangenschaft wenden und euch sammeln aus allen Völkern und von allen Orten“ (V.13-14). Das Geschick zu wenden, bedeutet also auch, die Gefangenschaft zu beenden. Gott spricht in derselben Weise über die Wiederherstellung der Nachbarvölker wie über Israel.

Moabiter, Ammoniter und Elamiter sind heute als Bezeichnungen von Volksgruppen nicht mehr bekannt. Elam, im heutigen Iran gelegen, ging im 6. Jahrhundert v.Chr. im persischen Weltreich auf. Moabiter und Ammoniter sind Nachfahren Lots, des Bruders von Abraham. Man geht davon aus, dass ihre Nachfahren zu den Wüstenvölkern östlich des Jordans gehören.

 

Ismaels Reichtum

Eine gewisse Verwirrung gibt es rund um die Verheißung an Ismael und seine Nachkommen. Die meisten Araber betrachten sich als Nachfahren Ismaels, wobei die Bezeichnung „Araber“ heute sehr vielfältige Anwendung findet: von der eng gefassten Bezeichnung für die Bewohner der arabischen Halbinsel bis zur umfassenden für alle Menschen, die Arabisch sprechen. Tatsächlich stammen wahrscheinlich nur die Wüstenstämme der arabischen Halbinsel von Ismael ab.

Inhaltlich lautet die Verheißung für ihn und seine Nachkommen: „Ich habe ihn gesegnet und will ihn fruchtbar machen und über alle Maßen mehren. Zwölf Fürsten wird er zeugen und ich will ihn zum großen Volk machen“ (1. Mo. 17,20). Diese Zusage ist klar unterschieden vom Bund, den Gott mit Isaak und seinen Nachkommen aufrichten will. Dennoch ist das Versprechen für Ismael auch nicht zu verachten, und wenn man an den Reichtum der arabischen Halbinsel durch das Erdöl denkt, scheint manches schon erfüllt.

 

Ägypten – der gute Nachbar

Ägypten taucht gleich in mehreren prophetischen Texten auf. Neben Jeremia und Hesekiel verkündigt vor allem Jesaja dem Volk am Nil Gericht, aber auch Hoffnung. Die Botschaft in Jesaja 19 ist hart. Ein grausamer Herrscher wird an die Macht kommen, unter dem das Land verdorrt und die Menschen leiden. Der Geist der Lüge wird die Menschen, Betrunkenen gleich, taumeln lassen. Die Ägypter werden sich vor Israel fürchten (Jes. 19,4.14.17).

Erstaunlich sind die Verse 18 bis 20 dieses Kapitels: Zu der Zeit wird in Ägypten in fünf Städten in der Sprache Kanaans gesprochen, mitten im Land wird ein Altar für den Herrn stehen, und die Ägypter werden in ihrer Not zum Herrn schreien. Sie werden den Gott Israels erkennen und ihm dienen. Darauf wird sich ihr Schicksal wenden. Nachdem der Herr sie geschlagen hat, wird er sie heilen, wenn sie zu ihm umkehren. Danach verheißt Gott eine Straße von Ägypten nach Assyrien, ins Zweistromland, und Israel wird mit den Ägyptern und den Assyrern gemeinsam ein Segen mitten auf Erden sein (Jes. 19,22-23). Eine heute unvorstellbare Szenerie.

Allerdings bestanden zwischen der Zeit, in der das jüdische Volk in Ägypten in Sklaverei lebte, und den Kriegen des 20. Jahrhunderts durchaus positive Beziehungen zwischen den beiden Nationen. In den Jahrhunderten vor der Geburt Jesu lebten in Ägypten bis zu einer Million Juden, wie Philo von Alexandria berichtete. Sie sprachen und schrieben Griechisch und übersetzten deshalb das Alte Testament in diese damalige Weltsprache. Jene unter dem Namen „Septuaginta“ bekannte Übersetzung wurde später wichtig für die Ausbreitung des christlichen Glaubens in der griechischsprachigen Welt. Maria und Josef gingen auf ihrer Flucht vor Herodes also nicht in feindliches Gebiet, sondern zum guten Nachbarn.

 

Der Überrest der Philister

Eine weitere bemerkenswerte Prophetie spricht Sacharja über dem Volk der Philister aus, als deren Nachfahren sich die heutigen Palästinenser bezeichnen. Sacharja prophezeit, dass sie zu einem Mischvolk werden (Sach. 9,6). Auch hier wird zuerst Gericht angekündigt: „Ich will die Pracht der Philister ausrotten. Und ich will das Blut von ihrem Munde wegnehmen und das, was mir ein Gräuel ist, von ihren Zähnen, dass auch sie unserm Gott übrig bleiben und wie ein Stamm in Juda werden und die Bewohner Ekrons wie die Jebusiter“ (Sach. 9,6-7). Der Zweck des Gerichtshandelns wird klar genannt: Gott will ihren Stolz brechen, damit sie als ein heiliger Überrest und wie einer der Stämme Israels gelten und leben. Im folgenden Abschnitt kündigt Sacharja – überraschend, und doch passend – das Kommen des Friedefürsten an.

In Gottes Perspektive heißt die endgültige Lösung des Nahost-Konflikts also nicht Zweistaatenlösung, sondern ein Staat, in dem messianische Juden und christliche Palästinenser in Frieden zusammenleben und Gott dienen.

 

Zukunft

In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass die Offenheit für den Glauben an Jesus Christus in der arabischsprachigen Welt sehr gewachsen ist. Die Nachfrage nach Bibeln war selten so groß. Gott schenkt es, dass immer mehr Menschen Jesus Christus als Heiland und Erlöser erkennen, trotz Verfolgung und Unterdrückung.

Bei allem Handeln Gottes mit Israel und den anderen Völkern geht es darum, dass Juden und Nichtjuden ihn erkennen und ihm vertrauen. Welch ein Segen könnte entstehen, würden Yusuf al-Qaradawi und Irans Staatschef Mahmud Ahmadinedschad zu Jesus umkehren und Buße tun. In der Erkenntnis des wahren Gottes könnten die alten und neuen Machthaber im Nahen Osten schon jetzt zu einem Segen werden. So beten wir, dass sich das Wort in diesen hektischen Zeiten nur noch mehr erfüllt: Gott will, dass alle Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und das ewige Leben haben -

(1. Tim. 2,4; Joh. 3,16). ྒ

 

1 Statistik auf http://zionismus.info/antizionismus/arabisch-7.htm

 

 

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