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Gottes Bundestreue – ein Zeichen seiner besonderen Barmherzigkeit

 

Von Jurek Schulz

 

Von dem Pfarrer Phillip Friedrich Hiller (1699-1769) können wir noch heute etwas lernen, was nicht selbstverständlich ist. Durch ein Halsleiden verlor er seine Stimme, doch seine Gemeinde in Steinheim bei Heidenheim behielt ihn im Amt. Er widmete sich nun noch stärker dem Kirchenlied zu und wurde einem der bedeutendsten Kirchenliederdichter.

Mir persönlich ist eines seiner Lieder, das er zwei Jahre vor seinem Tod dichtete, Wegweisung und Tröstung, Ermutigung und Stärkung.

 

„Mir ist Erbarmung widerfahren, Erbarmung, deren ich nicht wert;

das zähl ich zu dem Wunderbaren, mein stolzes Herz hat’s nie begehrt.

Nun weiß ich das und bin erfreut und rühme die Barmherzigkeit.“

 

In der fünften Strophe des Liedes heißt es:

„Gott, der du reich bist an Erbarmen, nimm dein Erbarmen nicht von mir

und führe einst im Tod mich Armen durch meines Heilands Tod zu dir!

Da bin ich ewig hoch erfreut und rühme die Barmherzigkeit“.   

 

Pfarrer Hiller macht in diesem Lied deutlich, dass es im Tiefsten die Barmherzigkeit Gottes ist, die Menschen in Bewegung setzt, um Gott zu danken. Dadurch sind viele Werke der Barmherzigkeit und der Liebe entstanden, die für viele andere Menschen oft über Generationen hin zum Segen wurden. All dies entspringt aus der Barmherzigkeit Gottes.

 

Der Begriff „Barmherzigkeit“ und das Wort „Gnade“ sind wesentliche Bestandteile der Bibel, dem Worte Gottes. Je mehr wir diese Worte in ihrer tiefsten Bedeutung verstehen, desto mehr kommen wir zur Anbetung Gottes. 

 

Ich möchte ihnen dazu ein Beispiel geben: Sie haben sicher schon einmal einen Gebetsmantel in einem Film oder auf einem Foto, oder sogar in echt gesehen. Dieser Gebetsmantel, auch Tallit genannt, ist ein besonderes Symbol für die Barmherzigkeit Gottes, die ja im Tiefsten auch die eigentliche Sehnsucht für uns Menschen ist.

Indem sich der Beter während des Gebets in diesen Gebetsmantel einhüllt, drückt er damit aus, dass er sich in die Gnade und Barmherzigkeit Gottes einhüllt. Ich darf geborgen sein in und unter der Barmherzigkeit Gottes. Ja noch mehr, ich hülle mich in die Barmherzigkeit Gottes ein. Für mich bedeutet das, ich will unter die schützende Gnade Gottes treten. Diese wird in besonderer Weise in seinem Messias, dem Herrn Jesus, vorgestellt. Da die Bundesschlüsse auf ihn hinweisen, wird die Barmherzigkeit Gottes in seinen Bundesschlüssen deutlich.

 

1. Was ging den Bundesschlüssen voraus?

In 1. Mose 1,31 heißt es: „Gott sah an alles was er gemacht hatte und siehe: Es war sehr gut.“ Der Ausdruck über das Schöpfungshandeln, „sehr gut“, ist ein Prädikat der Superlative, der nicht mehr steigerungsfähig ist. Gott der Herr hatte alles wunderbar schön gemacht. Es gab absolut nichts mehr zu verbessern, die Erde, die Tiere, der Mensch, alles war vollkommen. Sowohl im Zueinander und als auch im Miteinander. Auch der Freiheitswillen des Menschen entsprach Gottes Absicht. Er wollte keine Marionetten oder willenlosen Sklaven als Partner haben. Jeder einzelne Mensch, Sie und ich, wurden mit einem freien Willen ausgestattet. Wir können mit Gott oder auch ohne den Glauben an Gott auf dieser von Gott geschaffenen Erde leben.

Das hat sich seit den Tagen des Paradieses nicht mehr verändert. Doch lesen wir immer wieder in der Bibel von der wunderbaren Barmherzigkeit Gottes, wie er uns nachfolgt und um uns wirbt, dass wir doch endlich auf ihn eingehen und in Beziehung zu ihm hin leben. Gott wirbt um uns, wie ein Liebhaber sich um seine Angebetete müht.

 

2. Das Versprechen

Nach dem Sündenfall, als der Mensch seine Autonomie im wahrsten Sinn des Wortes suchte, unabhängig von Gott seinen Weg zu gehen, kam dennoch Gottes Versprechen. Er selbst will die Folgen der Verfehlung des Menschen beseitigen.

In 1. Mose 3,15 nach der Übersetzung von Buber/Rosenzweig heißt es: „Feindschaft stelle ich zwischen dich und der Frau, zwischen deinem Samen und ihrem Samen, er stößt dich auf das Haupt, du stößt ihm in die Ferse.“ 

 

Der Reformator Martin Luther hat Recht, wenn er einmal sagte: „Hier in 1. Mose 3,15 strahlt das Urevangelium aus.“ Gott verspricht, durch den Nachkommen der Frau der Schlange den Kopf zu vernichten. Zwei Hinweise sind hier wesentlich. Einmal die dauernde Feindschaft zwischen den Nachkommen der Kritiker und Spötter Gottes, die eher auf sich selbst und auf die Schlange, den Verleugner der Existenz Gottes, hören, und den Nachkommen der Frau, als die Gläubigen, die an Gott festhalten. Außerdem der prophetische Hinweis: Durch den Nachkommen, den Samen der Frau, wird der Überwinder und Vernichter Satans erscheinen. Das hebräische Wort das hier für „Nachkommen“ steht, wird aber auch als „Samen“ übersetzt. Hier wird eine biologische Unmöglichkeit angesprochen, denn eine Frau ist nicht Trägerin von Samen.

Die Mutter Jesu, Maria (hebr. Mirjam), ist die erste Frau, die ohne das Mitwirken eines Mannes schwanger geworden ist. Daher ist die Formulierung, der Samen der Frau wird einen Nachkommen, den Retter, zur Welt bringen, der die Auswirkungen des Sündenfalls endgültig überwinden wird, eine prophetische Ankündigung, die sich dann tatsächlich erfüllt hat. Somit haben wir noch im Paradies den eigentlichen Bundesschluss Gottes. Alle weiteren Bundesschlüsse sind weitere Konkretisierungen zur Rettung der Menschen.

 

Interessant ist es, dass Adam dem Bundesversprechen noch im Paradies vertrauen schenkt, indem er seiner Frau den Namen Eva gibt (1. Mose 3,20). Damit drückt er sein tiefes Vertrauen Gott gegenüber aus. Die Bedeutung des Namens beinhaltet „Leben, bzw. Lebensspenderin“. Inmitten des Todes drückt Adam sein Glauben an das Leben aus. Er erkennt: Gott selbst will das Leben erhalten. Obwohl der Mensch die Resultate seiner Schuld tragen und ertragen muss, bis hin zum Tod, hält Adam an Gottes Barmherzigkeit fest, die größer ist als alles Versagen.

 

In der Bibel lesen wir dann im Weiteren, dass immer weniger Menschen auf die Ordnungen Gottes achteten, so dass die Degenerierung der Menschheit ihren dramatischen Verlauf bis zur Sinnflut nahm. Ein schreckliches Ende für eine Gott verachtende Menschheit trat ein. Doch der Schöpfer widerruft nicht seine einmal gegebene Verheißung. Daher bestätigt der Herr in 1. Mose 8,21-22 sein Versprechen an uns Menschen. Die Erde soll erhalten bleiben, obwohl der Mensch sich in seinem Dichten und Trachten, wie es die Schrift sagt, immer wieder und weiter von Gott entfernt.

Der Schöpfer sagt dann in 1. Mose 9,13: „Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt, der soll das Zeichen des Bundes sein, zwischen mir und dem Menschen.“ Das war gut, denn nur zwei Generationen weiter lebte der Mensch wieder gottlos. Nimrod (1. Mose 10,8-12) schuf mit Gewalt die erste Diktatur der Erde. Leider wurde es nicht besser mit den Menschen, daher sollte der Mensch nun in seinem Herzen verändert werden.

Um dieses zu erreichen, schloss Gott einen Bund mit dem Patriarchen Abraham.

 

3. Der Bundesschluss mit Abraham

Er ist ein Vater vieler Völker geworden. Doch gleichzeitig ist er der Begründer des eigentlichen Segensträgers auf dieser Erde. Durch ihn ist das Volk Israel entstanden. Dieser ist der Segensträger Gottes. In 1. Mose 12,1-3 lesen wir: „Du sollst ein Segen sein, durch dich sollen alle Völker gesegnet werden.“ Ohne Israel gäbe es keine Offenbarung Gottes in der Welt, keine Bibel als Lebensordnung und keinen Messias, denn der Christus kam aus dem Volk der Juden. Israel ist der Offenbarungsträger Gottes von dem es heißt: „Nicht hat der Herr euch angenommen und erwählt, weil ihr größer wärt als alle Völker, denn du bist das kleinste, sondern weil er euch geliebt hat, und damit er seinen Eid erfülle, den er den Vätern geschworen hat“ (5. Mo.7,6-7). In Vers 8 steht: „Du sollst wissen, dass der Herr, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit hält bis ins tausendste Glied.“

 

Besonders eindrucksvoll wird die Barmherzigkeit Gottes an Jom Kippur, dem großen Versöhnungstag deutlich. Es ist der Tag, an dem in biblischer Zeit der Hohepriester in das Allerheiligste des Tempels gegangen ist, um Sühne für das Volk Israel zu bewirken. Gott trat durch die Überwindung der Schuld in Beziehung zu seinem Volk. Die endgültige Sühne hat der Herr Jesus, welcher der Christus ist, auf Golgatha bewirkt. Daher kann in Psalm 72,17 gesagt werden: „Durch dich sollen gesegnet werden alle Völker.“ Aus Israel kam der Erlöser; das ist der Bundesschluss der Gnade mit dem Volk Israel, und auch eine glückliche Verheißung für die Welt.

 

Die weitere Entwicklung der Bundeszusagen ist mit dem König David zu sehen.

Gott verspricht in 2. Samuel 7,12-13: „Dein Thron soll ewig bestehen.“ Dieses Versprechen wird konkretisiert in der Tatsache, dass der Messias aus dem Hause Davids kommen muss, denn nur dieser kann den Thron, der ewig besteht, besitzen. So kam der Erlöser tatsächlich aus dem Hause Davids, wie wir das in den Geschlechtsregistern der Evangelien lesen.

 

Der Erlöser aus Israel ist der sichtbare Ausdruck der Barmherzigkeit Gottes. Durch die Menschwerdung seines Sohnes ist das Heilshandeln Gottes für alle Menschen deutlich sichtbar geworden. Er tritt mir entgegen, ich darf mich bei ihm bergen und bin geborgen für Zeit und Ewigkeit. Das ist das Resultat seiner Barmherzigkeit. 

 

Daher ist die Anbetung Gottes aufgrund seiner Gnade und Barmherzigkeit ein natürliches Atemholen unserer Seele. Angesichts dieses Heilshandelns Gottes können wir Gott heute in tiefer Dankbarkeit anbeten. Das ist der tiefste Ausdruck unserer Dankbarkeit und das eigentliche Zeichen unserer Geborgenheit in Gott.

 

4. Wir brauchen die Erinnerung der Barmherzigkeit Gottes.

Die Stürme des Lebens sind bei uns allen unterschiedlich. Was noch kommt, wissen wir nicht. Aber was wir jetzt tun können ist Folgendes: Setzen Sie die Barmherzigkeit Gottes in die Mitte Ihres Lebens. Dann werden Sie nicht nur eine dankbare Beziehung zu Ihrem Schöpfer haben, sondern auch das Bewusstsein tiefster Geborgenheit inmitten der Zeit.

Die Gnade des Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen, Amen. (2.Kor.13,13) 

 

 

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